Christoph Ribbat

Im Restaurant

Eine Geschichte aus dem Bauch der Moderne
Cover: Im Restaurant
Suhrkamp Verlag, Berlin 2016
ISBN 9783518425268
Gebunden, 228 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Ob edel oder schmuddelig: Restaurants sind ein Spiegel der Gesellschaft. Christoph Ribbat montiert die packenden gastronomischen Erfahrungen von Küchenarbeitern und Kochgenies, Kellnerinnen und Philosophen, Feinschmeckern und Soziologinnen. Er blickt hinter die Kulissen und spannt dabei den Bogen von den ersten Pariser Gourmettempeln über den Aufstieg des Fast Food bis zu den innovativsten Köchen unserer Zeit. Doch er präsentiert nicht nur eine kosmopolitische Geschichte des Restaurants, sondern auch ein temporeiches Erzählexperiment zwischen Kulturwissenschaft und Doku-Roman.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 05.07.2016

In Christoph Ribbats "schillernden Montage" über die zwei Welten, die in einem Restaurant aufeinandertreffen, findet Rezensentin Ruth Fühner amüsante und verstörende Anekdoten, biografische und historische Momentaufnahmen wie auch literarische und soziologische Kommentare: Die Welt des Genusses Rücken an Rücken mit der Welt der Schufterei - in diesem Bild wird für die Rezensentin die soziale Asymmetrie des Konsumkapitalismus sichtbar. Leider, bedauert die Rezensentin, schafft es Ribbat trotz erzählerischer Finten nicht durchgehend, die Spannung zu halten. Dieses Manko werde jedoch ausgeglichen durch ein köstliches letztes Kapitel, in dem der Autor seinen "Theorieverzicht zugunsten der Sinnlichkeit" erklärt und einen Ausblick darauf gibt, was eine tatsächliche Geschichte der Restaurant-Kultur leisten müsste. Nach einem solchen Hauptgang vergisst Fühner fast das etwas fade Hors d'oeuvre.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 17.03.2016

Christoph Ribbats Buch "Im Restaurant" ist zugängliche Soziologie und als solche bereits ein erfreuliches Ereignis, findet Rezensent Gero von Randow. Ribbat hat quer durch die Disziplinen, Genres und Zeiten Geschichten rund um die Gastronomie gesammelt und dabei ein genialisches Auge für die gelungene Auswahl erwiesen, lobt der Rezensent. Das Buch umfasst Anekdoten über Xi Jinping, James Baldwin oder Goebbels bei Tisch ebenso wie kluge Überlegungen zum Wesen der kulinarischen Dienstleistung, die sich scheinbar so sehr von alten Arten des Arbeitens unterscheidet, fasst Randow zusammen. Wer sich wenig für Gastronomie interessiert, dürfte des Stoffes zwar schnell überdrüssig werden, für alle anderen hält dieses Buch aber ausreichend Überraschungen und Bonmots bereit und lädt zum Blättern und Schmökern ein, so der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.03.2016

Mit "Im Restaurant" serviert Christoph Ribbat eine sehr lesenswerte Kulturgeschichte, versichert Rezensent Jens Bisky. Der Kritiker lässt sich von dem Amerikanisten Geschichten von Köchen, Kellnern, Küchenkräften, aber auch Journalisten, Soziologen, Romanautoren und Philosophen auftischen und liest neben den flott und pointiert vorgetragenen Anekdoten und Fakten auch viel Wissenswertes, etwa über verschiedene Gastronomieformen oder die harte Arbeit in der Küche. Ribbat erzählt in seiner Geschichte der Moderne so viel Kurioses, Komisches, Aufregendes, langweilt auf keiner Seite mit trockenen Belehrungen und lässt so viele interessante Protagonisten zu Wort kommen, dass Bisky gern das Fehlen scharfer Thesen verzeiht.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.03.2016

Dieses Buch hat den Kritiker Jakob Strobel y Serra nicht gesättigt. Autor Christoph Ribbat spannt seine Sozialgeschichte des Restaurants von der Französischen Revolution bis heute und stopft diesen Mantel mit Anekdoten aus seinem Zettelkasten voll, so der unzufriedene Rezensent. Er hangelt sich von Auguste Escoffier zu den Opfern des NSU, die eine Döner-Bude besaßen, von Joseph Goebbels im Maxim zu amerikanischen Kellnerinnen und von den Köchen der Belle Epoque zur Geschichte des Sushi. Der Rezensent verliert schnell erst den Überblick und dann den Geschmack. Auch ein Sachbuch, mahnt er, will komponiert sein.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 12.03.2016

Das Ziel des Buches, eine Kulturgeschichte des Restaurants zu entwerfen, hält der emeritierte Soziologieprofessor Tilman Allert für lohnend, die Umsetzung durch Christoph Ribbat gefällt ihm hingegen weniger. Denn eine echte Analyse entdeckt der Rezensent darin nicht, stattdessen eine Zusammenstellung von kürzeren Texten, die Allert offenbar reichlich wirr findet und ein "hektisches Erzählexperiment" nennt. Der Autor selbst halte die Montagetechnik zwar für die angemessene Form, sich seinem Thema zu nähern, so zitiert ihn der Kritiker, Allert sieht das aber anders. Manchen Texten attestiert er eine "beeindruckende erzählerische Plastizität", bedauert allerdings, dass sie durchs Bauprinzip der Revue zu kurz kämen. Es käme ihm vor, so bilanziert Allert in den Worten der Kulinarik, als sei das eigentliche Menü nach der Vorspeise wegen eines Stromausfalls ausgeblieben.