Christoph Ransmayr

Egal wohin, Baby

Mikroromane
Cover: Egal wohin, Baby
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2024
ISBN 9783103976618
Gebunden, 256 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Hier macht einer sein Leben in Schnappschüssen sichtbar, überfliegt dabei erzählend Kontinente und Zeiten und bringt die Flüchtigkeit des Augenblicks manchmal ironisch, aber immer mit Leidenschaft und virtuos zur Sprache. In Erinnerung an das klassische Fotoalbum, in dem unter oft unscharfen Bildern die Abenteuer des Augenblicks in Stichworten dokumentiert wurden, erzählt Christoph Ransmayr siebzig zu Mikro-romanen kondensierte Geschichten zu siebzig seiner Fotografien in Schwarz-Weiß. Jedes Foto eine optische Notiz, geschuldet der Zufälligkeit der Anwesenheit und im Vorübergehen aufgezeichnet mit einem Smartphone oder einer Digitalkamera. Jeder Text zum Bild wird zu einem in sich geschlossenen Stück Prosa: zu einem Mikroroman. Denn von Expeditionen in die Augenblicke der Wirklichkeit und in die Grenzenlosigkeit der Fantasie kann auch in wenigen Zeilen erzählt werden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.01.2025

Zunächst einmal wundert sich Rezensent Jan Wiele ein wenig, dass Christoph Ransmayr im Vorwort seines neuen Buches das Bedürfnis hat, dessen Fiktionalität auszustellen, aber das tut der Lektürefreude keinen Abbruch, ganz im Gegenteil. Fast wie Tagebucheinträge wirken die kurzen Texte, die der Autor als "Mikroromane" versteht, in verdichteter Form kombinieren sie Realistisches und Allegorisches, Alltägliches und Besonderes, erfahren wir. So ist Wiele besonders beeindruckt von dem Text, der den Protagonisten Lorcan auf einer Flussfahrt in Tokio denken lässt, ihn ereile ein großes Erdbeben - und am Ende ist es doch nur ein Manöver des Kapitäns. Für den Kritiker macht dieser Ausschnitt schon die Wechselwirkungen deutlich, die zwischen Mensch und Literatur bestehen und auch die Erschütterungsfähigkeit von Literatur, die Ransmayr ihm hier auf fast elegische Weise deutlich macht, wie er schließt.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 09.01.2025

Ambivalent bespricht Rezensentin Sigrid Löffler Christoph Ransmayrs neues Buch, in dem der Autor - nicht zum ersten Mal - eine Reihe von Reiseerinnerungen zu kurzen Prosastücken komprimiert. "Mikroromane" nennt er sie selbst diesmal, und sie sind laut Löffler von einzelnen Fotografien inspiriert sowie aus Sicht eines irischen alter egos Ransmayrs namens Lorcan aufgeschrieben. Einen Hauch von Narzissmus meint Löffler in den Lorcan-Passagen zu spüren, auch schreckt Ransmayr diesmal in seiner teils umständlichen Wortwahl keineswegs vor Pathos und Schwulst zurück. Einige Passagen kommen Löffler außerdem bekannt vor, etwa die Nacherzählung einer Nordpolfahrt, die sie schon mehrmals vom Autor gelesen hat. Gut gefällt ihr allerdings, dass das Buch zum Flanieren einlädt, da man, in Abwesenheit einer Chronologie, überall ein- und wieder aussteigen könne. Insgesamt gewinnt man jedoch den Eindruck, dass die Lektüre für Löffler kein reines Vergnügen war.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.12.2024

Rezensent Martin Oehlen vergnügt sich mit diesen poetischen Reiseberichten von Christoph Ransmayer. Dessen Nomadenseele war dem Rezensenten bekannt, aber in dieser poetischen Kraft hat sie sich noch nie entfaltet, lobt Oehlen. Ransmayers "Mikroromane" von den Rändern der Welt, vom Nordpol bis ins pulsierende Brasilien, seien berührend, aber nie pathetisch. Er schreibe nüchtern, immer auf das Wesentliche konzentriert, betont Oehlen. Zudem wechsle Ransmayer geschmeidig zwischen Mensch- und Tierwelt, habe einen Blick für alles. Eines wird dem Rezensenten schließlich klar: Das Wichtigste, was Ransmayer nach jeder Reise bleibt: ein Rätsel.

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