Im geschliffenen Dialog mit einer Gefängnispsychologin legt ein hochbegabter Barpianist, Heiratsschwindler und Frauenmörder seine Beichte ab und versucht sein Glück ein weiteres Mal: Der Virtuose der Verführung setzt all sein Können ein, um den Kopf aus der Schlinge zu ziehen.
Ein Buch über einen Hochstapler und Heiratsschwindler ist als Zuglektüre bestimmt geeignet, dachte sich Hajo Steinert und berichtet amüsiert davon, dass sich mögliche Opfer dieser aussterbenden Spezies wie zur Bestätigung zu ihm ins Abteil setzten: ältere Damen, die zur Kur fahren. Im Laufe der Zugfahrt kam unser Rezensent, der der Autorin dank ihres Erstlings "Gefecht in fünf Gängen" wohlgesonnen war, zu der Einsicht, dass er doch lieber dem Gespräch der mitreisenden Damengesellschaft lauscht als dem sprudelnd-spöttelnden inneren Monolog des Protagonisten folgt, der ihm mit seiner gebildeten Schwatzhaftigkeit auf Dauer langweilt. Steinert ist sich sicher, dass die Damen einen "Einsamkeitsbetreuer" der Eichelschen Art bei ihrem Kuraufenthalt nicht nötig haben werden.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 01.04.2000
Eine recht ausführliche Nacherzählung in seiner ansonst recht knapp bemessenen Besprechung bietet Eberhard Falcke. Er lobt das "Kabinettstückchen", das der Autorin auch in ihrem zweiten Buch (nach "Gefecht in fünf Gängen") wieder gelungen ist. Es geht um eine Gefängnispsychologin, die als Gutachterin in einem Prozess bestellt ist und sich mehr und mehr hinreissen lässt vom "pomadigen Glanz" des Heiratsschwindlers, der zum Frauenmörder wurde. Mit Treffsicherheit beschreibt die Autorin ihr "milieutypisches Personal", findet Falcke und ist trotz einigen "rhetorischen Goldstaubs" in den Dialogen zwischen Mörder und Psychologin rundum angetan.
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