In politischen Debatten und den Medien ist regelmäßig zu hören und zu lesen, man solle das Moralisieren lassen, denn es führe zu nichts, bringe die Menschen nur gegeneinander auf und sei damit sogar unmoralisch. Doch stimmt das? Und was ist überhaupt Moralismus? Wann moralisieren wir und wann machen wir anderen berechtigte moralische Vorwürfe? Der Band versammelt Originalbeiträge, die sich diesen Fragen auf unterschiedliche Weise nähern - einige kritisieren den Moralismus, andere verteidigen den Bedarf an moralistischer Kritik. Gemeinsam ist ihnen das Ziel, die philosophischen Grundlagen für eine differenziertere Betrachtung des Moralisierens in öffentlichen Debatten zu erschließen.
Rezensent Ralph Gerstenberg freut sich über die Schärfung unseres Urteilsvermögens durch den Moralismus und die Debatte darüber. Der Sammelband mit Beiträgen zu Veganismus, Identitätspolitik, digitalen Medien, Managergehältern, ethischem Konsum, Nietzsches Moralismus-Kritik und Kants Rechtslehre von Christian Neuhäuser und Christian Seidel scheint Gerstenberg ein Beleg dafür zu sein. Wann moralische Kritik sinnvoll ist und wann sie zur Hetze wird, erkunden die Herausgeber und die Autoren laut Gerstenberg reflektiert, historisch fundiert und auf anregende Weise.
Rezensent Eckhart Goebel wünscht sich sofort eine Fortsetzung des von Christian Neuhäuser und Christian Seidel herausgegebenen, noch vor Corona entstandenen Sammelbandes mit klugen Aufsätzen zum Problem des Moralismus, die dann auch den "Mentalitätswandel" in der Corona-Krise untersuchen könnte. Einstweilen liest Gobel Wissenswertes über Moralismus als Rechthaberei, über Nietzsches Moralkritik (Beatrix Himmelmann) und den weitgehend enthemmten Onlinekommentar (Eva Weber-Guskar). Es geht den Autoren laut Goebel nicht so sehr um eine Inventarisierung des Moralischen als um eine Auseinandersetzung mit der Kritik verschiedener "überzogener Formen des Moralisierens" in unterschiedlichen Kontexten, Stichwort: Heuchelei, Skandalisierung! Dass auch der moralische Anspruch der Kritik selber problematisiert wird, gefällt dem Rezensenten gut.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.01.2021
Rezensent Gerd Schrader erfährt aus dem von Christian Neuhäuser und Christian Seidel herausgegebenen Sammelband, wo die Grenzen zwischen moralischem Engagement und Diffamierung, berechtigtem Einspruch und Selbstgerechtigkeit verlaufen. Die Aufsätze im Band beantworten Fragen nach den Formen moralistischer Rhetorik und dem Moralismus der Moralphilosophie aus unterschiedlichen Perspektiven, erläutert Schrader, und widmen sich auch aktuellen Debatten zum Veganismus oder zur Migration. Ein Beitrag von Maike Albertzart rekurriert zudem auf Kant, wenn er das Tugendhafte heute erörtert, so Schrader.
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Ben Lerner: Transkription Aus dem amerikanischen Englisch von Nikolaus Stingl. Er reist an die US-amerikanische Ostküste, um das letzte Interview mit seinem neunzigjährigen Mentor Thomas zu führen,… Lukas Rietzschel: Sanditz Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,… Karl Ove Knausgard: Arendal Aus dem Norwegischen von Paul Berf. Wo ist dein Platz im Leben? Wohin gehörst du? Wo liegen deine wahren Gefühle?Wir schreiben das Jahr 1976. Syvert Løyning ist nach einer…