Er ist der Protagonist, einer der meistgedeuteten und meistbekämpften Denker des Christentums. Nicht aus Selbstsicherheit und mit Weltgewandtheit hat dieser Apostel gesprochen, sondern auf dem unsicheren Grund eines Neuanfangs, angetrieben durch Widersprüche, als ein Fragender, der mit der Sprache kämpfte und ihr Begriffe wie "Kirche" und "Wiederkunft" des Christus erst abrang. Am Scharnier zwischen Judentum und Griechentum hat Paulus entscheidende philosophisch-theologische Fragen gestellt: nach dem Subjekt, nach Zeit und Geschichte und danach, wie Gott ins Wort kommt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.12.2013
Kritische Theologie mal anders erlebt Alf Christophersen mit den "Korinthischen Brocken" des Theologen und Lyrikers Christian Lehnert. Konstruktiv und literarisch anspruchsvoll erscheint ihm, was Lehnert dem Leser in Sachen Paulus bietet, dessen Nähe der Autor laut Rezensent in diesen Texten assoziativ tastend sucht. Dem Wesen der Überlieferung nähert sich Lehnert, wie der Rezensent erklärt, furchtlos auch über biografische Momente, wie Erfahrungen als Bausoldat in Leuna. Paulus als Zeit- und Leidensgenosse - ein Ansatz, der dem Rezensenten gefällt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 02.07.2013
Niklaus Peter folgt Christian Lehnert mit großem Interesse durch seinen Essayband "Korinthische Brocken", in dem sich der Dresdner Dichter und Theologe anhand einiger Auszüge aus dem ersten Korintherbrief Paulus' eine Idee von der Theologie des Apostels erarbeitet. Besonders interessieren Lehnert Sprachschöpfungen, die andeuten sollen, wo Paulus aus der Gedankenwelt seiner Gegenwart ausbricht und in neue, bisher ungedachte Bahnen lenkt. Angesichts der komplexen Texte ist der Rezensent wenig erstaunt, dass auch Lehnerts Buch keine leicht Kost ist. Außerdem hätte er sich eine größere Rückbeziehung auf den spezifischen historischen Kontext gewünscht, in dem Paulus schrieb. Lehnert vernachlässigt den jüdischen Messianismus der damaligen Zeit, findet Peter. Einige der Thesen sind deshalb kaum haltbar, meint er, lässt man diese aber beiseite, liegt hier ein bereicherndes Buch vor, lobt der Rezensent.
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