Die Antworten scheinen klar zu sein, wenn es um Meinungen geht: Meinungen sind privat, subjektiv, beliebig oder willkürlich. Werden Meinungen dem Wissen gegenübergestellt, erscheinen sie als ein Provisorium, das möglichst schnell überwunden werden muss, damit sinnvoll von Erkenntnis gesprochen werden kann. Gleichwohl müssen wir mit Meinungen umgehen, gerade die Herausforderungen der Sozialen Medien zeigen dies aufs Neue. In seinem Essay entwickelt Bermes in Auseinandersetzung mit Wittgenstein und im Anschluss an das phänomenologische Projekt einer Rehabilitierung der Doxa Bausteine zu einer Theorie wohlfundierter Meinung. Er diagnostiziert einen Mythos, der sich um das Meinungskonzept entwickelt hat, und erörtert die Doxa im Ausgang von einem Verständnis des Exemplarischen. Meinungen sind nicht einfach beliebig, subjektiv oder willkürlich. Auch Meinungen unterliegen Qualifikationsmerkmalen. Dies hat sowohl Auswirkungen für die Philosophische Anthropologie als auch für dasjenige, was als öffentliche Meinung bezeichnet wird.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.06.2022
Rezensent Uwe Justus Wenzel lernt vom Philosophen Christian Bermes, wie Debattenkultur idealerweise aussehen sollte, dass Verständigkeit, Offenheit und Takt unbedingt dazugehören und Meinungen erst verbindlich werden sollten, wenn ihre Stimmigkeit sich erwiesen hat. Bermes arbeitet sich zunächst an der aktuellen Debattenkultur ab, der dergleichen leider abgeht, wie Wenzel erfährt. Stattdessen herrsche ein unguter Entscheidungsdruck, so der Autor laut Wenzel. Wenn Bermes mit Kant, Heidegger, Arendt, Plessner, Husserl zu einer "Philosophie der Meinung" anhebt, kann Wenzel dazulernen und die Debattenkultur hoffentlich auch.
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