Chi-ha Kim

Blütenneid

Gedichte
Cover: Blütenneid
Wallstein Verlag, Göttingen 2005
ISBN 9783892449850
Gebunden, 78 Seiten, 14,00 EUR

Klappentext

Aus dem Koreanischen von Yang Han-ju und Matthias Göritz. In den siebziger Jahren galt Kim Chi-ha in Korea als einer der radikalsten Regimegegner, er wurde zum Tode verurteilt, zu "lebenslänglich" begnadigt, freigelassen, tauchte unter, wurde erneut verhaftet (insgesamt fünfmal), ertrug schließlich sechs Jahre in Einzelhaft, die seine Gesundheit ruinierten. Kim Chi-ha wurde zur Leitfigur der Demokratiebewegung seines Landes, zum Inbegriff der politischen Lyrik Koreas und zum Vorbild für die gesamte engagierte Literatur dieser Zeit. Die Gedichte dieses Bandes stammen aus den neunziger Jahren; sie sind Ausdruck der Wende des Autors hin zu einer "Philosophie des Lebens". Das Erlebnis der Haft, die Erfahrung des Zurückgeworfenseins auf das Existentielle spielen dabei eine ebenso entscheidende Rolle wie die Auseinandersetzung mit der Welle von Selbstverbrennungen demonstrierender Studenten in Korea.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.12.2005

Der Rezensent Steffen Gnam scheint ein wenig unentschlossen, was er mit dem Alterswerk des koreanischen Dichters und ehemaligen Dissidenten Kim Chi-ha anfangen will. Zwar erkennt er den "Reiz seiner trugbilderreichen Poesie", der in der "Transparenz der Assoziationen" liegt. Auf der anderen Seite aber erscheinen ihm Chi-has "religiöse Universalität und ökologisch angehauchte Schöpfungsschau" nicht ganz geheuer - den koreanischen Kritikern übrigens auch nicht, wie Gnam betont. Dementsprechend kommt er zu einem zwiespältigen Einschätzung der Lyrik des Dichters, dem der "Duktus des Untergrundpoeten" in jedem Fall völlig abhanden gekommen ist: "Sind einige Gedichte dem Atem der Natur abgelauschte Quirlbilder des Lebens, so zählen die Umweltseufzer über sauren Regen zur weniger inspirierten Lyrik."
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.11.2005

Für Jörg Drews sind die Gedichte Kim Chi-has neben dem wiederentdeckten Altmeister Yisang das "Aufregendste", was die diesjährige Frankfurter Buchmesse aus Korea nach Deutschland gebracht hat. Auf den ersten Blick erscheinen die Stücke dem Rezensenten recht fremd, aber geht einem das, fragt er, bei Paul Celan oder Friederike Mayröcker nicht oft genauso? Außerdem könne man sich die meisten der verwendeten Symbole und Bilder im Laufe der Lektüre oder mit Hilfe der Erläuterungen erschließen. Voller Erstaunen bemerkt Drews, wie Chi-ha, der in einer der neuen Trabantenstädte rund um Seoul wohnt, dennoch Bilder der koreanischen Natur und der kosmologischen Überlieferung evozieren kann. "Am bewegendsten" erscheinen ihm die "bildkargen wie versehrten" Liebesgedichte, die schonungslos über ein Phänomen sprechen, das üblicherweise eher süßlich umschrieben wird. Positiv zu vermerken ist schließlich auch die "wunderbare" Übertragung von Yang Han-ju und Matthias Göritz.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.10.2005

Das Werk des Schriftstellers und früheren Dissidenten Kim Chi-ha durfte in Südkorea erst seit 1984 erscheinen, nachdem er 6 Jahre in Einzelhaft verbracht hatte, skizziert Rezensent Jan Wagner einige wichtige biographische Hintergründe von Chi-has Werk. Noch im Gefängnis habe er seine "Philosophie des Lebens" entwickelt, die in Form des symbolischen Grashalms auch in dem vorliegenden Gedichtband "leitmotivisch" präsent sei. "Mein Auftrag des Himmels ist nun, mit der Sprache sparsam umzugehen, um die Lücken zu öffnen", zitiert der Rezensent Chi-has "schönes" poetisches Programm. Die besten Gedichte, so Wagner, vollbrächten tatsächlich ein solche zauberische Öffnung der Lücken, während bei anderen die Gefahr bestehe, dass das programmatisch "Schlichte" mitunter banal wirken könne, ohne es eigentlich zu sein. Insbesondere metaphorische "Formeln" wie " die Sonne und der Mond" oder die "großen Behelfsworte" wie "Ewigkeit" und "Universum" ließen eine gewisse Eintönigkeit entstehen und lägen der Behauptung mitunter näher als einer poetischen Realisierung. Hier wünscht sich der Rezensent einige der frühen "herberen" Protest-Gedichte Chi-has in den Band als Kontrastprogramm zum "kosmischen Einssein" der späten "Blütenneid"-Gedichte.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.10.2005

"Man könnte", schreibt Katharina Borchardt, "die Geschichte des modernen Korea und seiner Literatur durchaus als eine Geschichte der Inhaftierung seiner Dichter schreiben." Kim Chi-ha (geboren 1941) war während der Militärdiktatur sieben Jahre in Einzelhaft - er hatte populäre satirische Gedichte verfasst. Seine hier versammelten neueren Gedichten machen weniger Worte, klingen "stiller, ausgedünnter", gewinnen gerade dadurch aber eine große Intensität. Es geht, so Borchardt, um ein "Gefühl der inneren Leere"; kleine Dinge "wie Kirschblüten, Schnee oder Grashalme" rücken in die Mittelpunkt - ganz wie in der traditionellen, buddhistisch geprägten Naturlyrik.

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