Catherine Meurisse

Die Leichtigkeit

Cover: Die Leichtigkeit
Carlsen Verlag, Hamburg 2016
ISBN 9783551734242
Gebunden, 144 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Mit einem Vorwort von Philippe Lançon. Aus dem Französischen von Ulrich Pröfrock. Die Karikaturistin Catherine Meurisse, die seit vielen Jahren für Charlie Hebdo arbeitet, entkommt dem Attentat auf Charlie Hebdo nur, weil sie an diesem Morgen im Januar 2015 für die Redaktionssitzung zu spät dran ist. Viele ihrer Kollegen und Freunde werden bei dem Anschlag aus dem Leben gerissen. Sie selbst sucht seitdem nach einem Umgang mit der Tragödie und einem neuen Zugang zu ihrem Leben. Meurisse sucht in der Schönheit der Natur und der Künste nach anderen Bildern, macht sich nach Italien auf und beginnt langsam, zu ihrer eigenen Leichtigkeit zurückzufinden. Mit "Die Leichtigkeit" hat Catherine Meurisse ein intensives und sehr persönliches Buch geschaffen, das ihrer Trauer Raum gibt und zugleich eine Ermutigung ist, sich die Schönheit des Lebens zurückzuerobern.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 07.01.2017

Elise Graton liest Catherine Meurisse' neuen Comic als Traumabewältigung und Versuch einer Identitätsfindung der ehemaligen Charlie-Hebdo-Zeichnerin, die den Anschlag vor zwei Jahren nur durch Zufall überlebte. Die stilistisch bunten Zeichnungen aus Tusche, Pastell- und Aquarellfarben scheinen das Chaos nach dem Anschlag abzubilden, erklärt Graton. Die Einblicke in den Redaktionsalltag, fiktiven Gespräche mit den Kollegen Charb und Tignous und schließlich der Versuch, durch die Konfrontation mit dem Schönen bei einem Besuch in Rom das Trauma zu bewältigen, lassen Graton mitunter vermuten, dass die Autorin sich selbst therapeutisch auf die Schippe nimmt. Als Hommage an die Kunst und die ermordeten Kollegen funktioniert der Band jedenfalls, meint die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 21.12.2016

Vielleicht war es ironischerweise der Liebeskummer, der der Zeichnerin Catherine Meurisse das Leben rettete, denn er war schuld, dass sie am Tag des Anschlags auf Charlie Hebdo zu spät zur Arbeit kam, weiß Rezensent Christian Bos. Leider jedoch konnte keine Art von Kummer ihre Freunde und Kollegen schützen und leider bewahrte er Meurisse nicht vor dem Schock und der Trauer, die der Terror und der Verlust in ihr ausgelöst hatten, eine Art von Trauer, von der immer ein Rest bleiben wird, so der Rezensent. Doch was auch bleiben wird, ist Meurisses jüngst erschienene Graphic Novel, mit der sich die Französin ihren Weg zurück in "Die Leichtigkeit" erkämpft hat, lobt Bos. Eine "Meditation über Schrecken und Schönheit" nennt er dieses beeindruckende Werk. In gefühlvollen Detailzeichnungen und liebevoll aquarellierten Naturbildern kommt die Macht der Kunst als "Trösterin der Untröstlichen" einmal mehr zum Vorschein, so der mitfühlende Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.12.2016

Für Rezensent Alex Rühle ist Catherine Meurisses Buch "Die Leichtigkeit" schlicht ein Ereignis. Warum? Weil die überlebende "Charlie Hebdo"-Zeichnerin ihr Trauma und das folgende Erleben einer Ich-Dissoziation nicht nur bildgewaltig darstellt, sondern die einzelnen erlebten Anekdoten noch einmal anders als ihr Kollege Luz in eine große "kunstvolle" Erzählung einbettet, informiert der Kritiker. In meisterhaft, karikaturhaft zurückgenommenen Federzeichnungen, aber auch in prallen Aquarellen und Buntstiftskizzen entdeckt Rühle nicht nur das ganze Können der Künstlerin, sondern begleitet sie auch auf eine nahezu kunsttherapeutische Reise nach Rom, wo Meurisse das erlebte Grauen während eines Aufenthaltes in der Villa Medici durch einen Stendhalschen "Schönheitsschock" zu heilen versucht. Wenn der Kritiker in Meurisses Zeichnungen den Schmerz in den Statuen von Niobes Kindern oder Laokoons Todesschmerz betrachtet, erscheint es ihm, als seien die Bilder aus den Fingern der Künstlerin "gequollen".
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 17.12.2016

Rezensentin Hannah Lühmann möchte diesen Band, in dem die "Charlie Hebdo"-Zeichnerin Catherine Meurisse das erlebte Trauma mit Schönheit und Leichtigkeit bekämpft, nicht einfach als Graphic Novel, sondern vielmehr als "Bewusstseinsanschauungen in Tusche" bezeichnen. Denn der Künstlerin gelingt es, neben imaginierten Szenen aus dem Leben der Attentäter vor allem in Stimmungen, Notizen, Witzen und Anmerkungen von der Freundschaft unter den Kollegen, von der Liebe und insbesondere vom französischen Lebensgefühl zu erzählen, das sie etwa erlebt, wenn sie in das von Proust aufgesuchte Seebad Cabourg reist, um ihre Erinnerungen wiederzufinden. Dass es Meurisse bei ihren illustrierten Streifzügen durch den Louvre oder die Villa Medici ein wenig mit den Darstellungen gemarterter Statuen übertreibt, verzeiht die Kritikerin gern: Dieses Buch, das sich glücklicherweise der "Ich-male-den-Propheten-aber-trotzdem-weiter-mit-Schrumpfklöten"-Art widersetzt, weckt bei der Kritikerin nicht nur Sehnsucht nach Paris, sondern auch Neid auf Französinnen in besten Jahren, die mit "beulenartigen Brüsten" immer noch "niedlich" aussehen.
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