Nach dem Tod seines Vaters entdeckt Tobi Dahmen eine Sammlung alter Familienbriefe. Ausgehend von den bewegenden Zeitzeugnissen rekonstruiert er eine Chronik der deutschen Kriegsjahre im Spiegel seiner eigenen Familiengeschichte. Eine fesselnde Auseinandersetzung mit deutscher Vergangenheit und politischer Verantwortung.
Rezensent Ralph Trommer zeigt sich schwer beeindruckt von Tobi Dahmens umfangreicher Graphic Novel über die Geschichte seiner Familie während des Nationalsozialismus: Er hat sich insbesondere von den Erinnerungen seines Vaters Karl-Leo inspirieren lassen, der 1932 in Düsseldorf geboren wurde, aber auch die Breslauer Familie seiner Mutter Andrea wird beleuchtet. Über vier Seiten hinweg erzählt Dahmen beispielsweise den Schulweg des Vaters, vorbei an Trümmern und Kriegsgefangenen, die die Schäden der Bomben beseitigen sollen. Viel Raum nehmen auch die Überlegungen der Familien ein, wie sie sich mit dem Regime arrangieren sollen, das sie eigentlich ablehnen, mit dem sie aber doch irgendwie leben müssen, so Trommer. Besonders eindrucksvoll findet er, wie Dahmen über einen Großonkel schreibt, der wegen seiner Regimegegnerschaft hingerichtet wurde. Er empfiehlt die klar und realistisch gezeichnete Graphic Novel abschließend als Schullektüre.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.07.2024
In seiner Graphic Novel hebt Tobi Dahmen "einen Familienschatz", freut sich Rezensentin Martina Knoben. Dahmen erzählt die Geschichte seiner Familie im Zweiten Weltkrieg, von seinem Großvater väterlicherseits, der als Rechtsanwalt den Nazis sketpisch gegenübersteht und trotzdem in die Partei eintritt, oder seinem Großvater mütterlicherseits, der im Krieg Zwangsarbeiter Waffen anfertigen lässt, resümiert Knoben. Diese "exemplarisch anmutenden Biografien", so Knoben, schlüsselt Dahmen auf und bietet ausführliche Quellen, familiäre und offizielle, und ein Glossar am Ende des Bandes. Die Bilder wird in Grautönen gehalten, Farbtupfer finden sich nur auf dem Cover. Gut konstruiert findet Knoben Dahmens Erzähltechnik, wenn er den Schilderungen seines Onkels über den "Abenteuerurlaub" an der russischen Front blutige Bilder entgegensetzt. Dahmen erzählt das alles sehr langsam, regt aber eine erneute Beschäftigung mit der Zeit und dem grassierenden Opportunismus in der Nazi-Zeit an, schließt die glückliche Kritikerin.
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