Aus dem Englischen von Claudia Wenner. Ende der Siebzigerjahre war es still geworden um Harper Lee. Ihr Welterfolg "Wer die Nachtigall stört" lag bereits 18 Jahre zurück, und der von Verlag und Publikum herbeigesehnte zweite Roman ließ noch immer auf sich warten. Aber jetzt war sie einem Stoff auf der Spur, etwas Großem. Der Prediger William Maxwell hatte innerhalb weniger Jahre zunächst seine Ehefrau, dann seinen Nachbar, dann seinen Bruder, dann seine zweite Ehefrau, dann seinen Neffen und schließlich die Adoptivtochter seiner dritten Ehefrau umgebracht, auf deren Beerdigung er selbst ermordet wurde. Lee recherchierte fieberhaft und war sogar bei dem Prozess gegen Maxwells Mörder im Gerichtssaal anwesend, doch ihr Roman sollte Fragment bleiben. "Grimme Stunden" erzählt die Geschichte, die Harper Lee in "The Reverend" hätte erzählen wollen, und zeichnet dabei zugleich das Porträt einer der berühmtesten Schriftstellerinnen Amerikas, von ihrem Kampf mit dem Ruhm, dem Erfolg und dem Mysterium künstlerischer Kreativität.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 08.04.2021
Mit großem Interesse für die Autorin und ihre Protagonistin, die weltberühmte Autorin Harper Lee, bespricht Rezensentin Sonja Hartl dieses Buch. Was ihr besonders zu gefallen scheint, ist die großräumige Recherche um den realen Fall selbst herum, nämlich den des als Serientäter angeklagten Maxwell, seines Mörders Burns und des weißen Anwalts, der beide verteidigte -, aber auch die Suche nach Harper Lees Motiven und ihrem Schreiben. Casey Cep habe sich keinesfalls festgelegt, so wie auch vor Gericht keine Aufklärung erzielt wurde - mehr noch, so lobt die Kritikerin, sie habe sich auch in Sachen Harper Lee und warum sie dieses Buch nie geschrieben hat, nicht auf eine Wahrheit versteift. So spiele Cep alle Themen an, die damit zu tun haben könnten, "Alkoholismus, Perfektionismus, Depressionen und Selbstzweifel" der weltberühmten Autorin und Freundin von Truman Capote, so berichtet die Kritikerin. Aber gerade der Verzicht auf eindeutige Zuweisungen gefällt der Kritikerin sehr gut.
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