Klappentext
Gibt es Grenzen der Einfühlung in andere? Wozu verpflichtet uns die Erinnerung an die Geschichte? Gibt es Grenzen der Pflicht, im Namen der Menschenrechte zu sprechen? Oder darf nichts uns daran hindern, die anderen als Teil des universalen Wirs wahrzunehmen? Carolin Emcke stellte sich diese Fragen bereits vor dem 7. Oktober und Gaza. Aber seither sind sie noch dringlicher. Es geht letztlich um die existenzielle Frage: Was zählt ein Mensch? Seit über zwanzig Jahren reist Emcke nach Israel-Palästina. Zuletzt sprach sie dort mit Menschen aus Bee'ri oder Jenin, aus Tel Aviv oder Ramallah, um die toten Winkel der Empathie im hiesigen Diskurs auszuleuchten.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 26.09.2026
Die hier rezensierende Postdoktorandin der Hebräischen Universität Jerusalem, Anne Rethmann, hat ein grundlegendes Problem mit dem Ansatz von Carolin Emckes neuem Buch. Ausgehend von der Anklage einer "asymmetrischen Empathie" fordert die Autorin hier quasi gleiche Empathie für alle Seiten ein, vermittelt Rethmann - sei es für die israelischen Opfer in Be'eri oder für den ausgehungerten palästinensischen Häftling. Für Rethmann schleicht sich aber hier schon eine Schieflage ein: dass nämlich erstere bei der Autorin zum Verstummen führen, zweiterer hingegen eine ganze Assoziationskette auslöst, die bis zum Schicksal ihrer eigenen Mutter reicht. Was aber ist mit Opfern, die keinen solchen "Resonanzraum" öffnen, fragt Rethmann? Hier wird für sie das Problem an Emckes Empathie-Forderung deutlich: Empathie muss zwar walten, aber sie darf nicht zum Maßstab erhoben werden, wie Emckes Text suggeriert, stellt Rethmann klar. Das (Menschen-)Recht müsse gerade dort gelten, wo die Empathie aufhört. Das Pathos von Emckes Text wirkt für die Kritikerin dabei als stilistischer Verstärker dieses inhaltlichen Fehlschlusses.
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