Hi Honey
Nigerias Romance-Scam-Industrie und die Einsamkeit im Westen

Suhrkamp Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783518433188
Gebunden, 300 Seiten, 25,00
EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Matthias Strobel. Als seine Mutter erzählt, dass sie sich im Netz in jemanden verliebt hat, der ihr Goldbarren schicken will, weiß Carlos sofort, was los ist: ein Romance Scam, eine Form des Internetbetrugs, bei denen Opfern unter falscher Identität Nähe vorgegaukelt wird, um an Geld zu kommen. Carlos kann seiner Mutter beweisen, dass alle E-Mails ihres Verehrers aus Nigeria stammen, und der Spuk ist vorbei, doch nun lassen ihn, den jungen Investigativjournalisten, die vielen Fragen nicht mehr los. Warum fällt jemand auf so was rein? Wer steckt bitte hinter dieser zeitintensiven Betrugsmasche? Carlos reist nach Lagos. Er schleust sich ein in die Welt der Love Scammer, begleitet vier von ihnen für ein Jahr. Anhand ihrer wechselhaften Schicksale versteht er die Psychologie des Romance Scams, erfährt von der Ausweglosigkeit einer ganzen Generation, von ihrem verschwenderischen Lifestyle, ihrer Erschöpfung und den moralischen Dilemmata. Und wie sich die Einsamkeit im Westen auf verblüffende Weise spiegelt in der Armut Nigerias.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (
Info)
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 24.10.2026
Carlos Barragán hat, findet Rezensent Arno Orzessek, ein interessantes Buch über das vielleicht "traurigste Verbrechen der Welt" geschrieben. Es geht um junge, von der Wirtschaftskrise im Land gebeutelte Nigerianer, die online reiche Westler kontaktieren und aus finanziellen Motiven romantisches Interesse vortäuschen. Vier solche "Yahoo-Boys" stehen im Zentrum des Buches, Yahoo-Girls gibt es auch, aber sie sind viel seltener. Barragán schreibt über das Selbstverständnis der Scammer, die der Ansicht sind, dass sie sich nur zurückholen, was der Westen den Afrikanern genommen hat. Der Autor selbst ist freilich anderer Ansicht, "Betrug ist keine Dekolonisierung" für ihn. Er trifft sich auch mit einem der Opfer der Scammer und zeigt, wie gefälschte Online-Romanzen Leben zerstören können. Insgesamt zeigt dieses lesenswerte Buch laut Orzessek Menschen, die "in der Schnittmenge von Globalisierung und Digitalisierung" ihr Stück vom Kuchen suchen und dabei Leute ausbeuten, die letztlich genauso orientierungslos sind wie sie selbst.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 23.10.2026
Rezensent Arno Orzessek ahnt, dass Carlos Barragan mit seinem Buch über die Yahoo-Boys von Lagos, die mit Romance Scam gegen Geld bzw. Coins die Sehnsüchte westlicher Singles bedienen oder so tun, eine bald schon von der KI ersetzte Branche porträtiert. Die Täterporträts, der Autor schreibt über Herkunft, Alltag, Tricks und Träume der Betrüger werfen für Orzessek die Frage auf, ob hier wirklich eine Form der Wiedergutmachung für die Kolonisation im Gange ist, wie die Boys selbst behaupten. Orzessek findet, "Betrug ist keine Dekolonisierung". Für den Rezensenten eine wahre Geschichte über Globalisierung und Digitalisierung und die Suche nach ein bisschen Wärme.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.09.2026
Rezensentin Laura Roban schätzt das Buch des Journalisten Carlos Barragan über das Scamming-Business in Nigeria wegen seiner Ausgewogenheit. Der Autor spricht mit vielen, oft jugendlichen Scammern, stellt ihre Vorgehen detailliert dar und schreibt über mögliche Ursachen: Kolonialismus, Misswirtschaft, globale Ungleichheit, ohne allerdings die Bedürfnisse und das Leid der Opfer zu vergessen. Anhand eines Scams, dem seine Mutter auf den Leim ging, beginnt der Autor seine Recherche vor Ort in Lagos, erklärt Roban. Die ferne Welt der Internetbetrüger und die Dynamiken hinter ihrem Tun werden so für den Leser anschaulich, so die Rezensentin.