Von Edgar Wolfrum. 10. neubearbeitete Auflage. Eine moderne, multiperspektivische Gesamtdarstellung der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland; gleichgewichtig behandelt Edgar Wolfrum Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur und Mentalitäten. Zugleich bettet er die Geschichte der Bundesrepublik in die europäische und internationale Geschichte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein. Die bundesdeutsche Geschichte wird auf jeweils drei gleichgewichtigen Ebenen geschildert. Zuerst geht es um die Innenpolitik. Sodann steht die Außenpolitik im Zentrum und schließlich wird die Sozialkultur betrachtet. So entsteht ein Bild sowohl der Strukturen und Ereignisse als auch der handelnden Personen und der bundesdeutschen Gesellschaft.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.05.2006
Anerkennend äußert sich Rezensent Eckart Conze über diese Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von 1949-1990, die Edgar Wolfrum vorgelegt hat. Er bescheinigt der Arbeit, sich sicher auf dem Stand der Forschung zu bewegen und interpretatorische Neuansätze einzubeziehen. Bemerkenswert erscheint ihm vor allem Wolfrums Ansatz, bei seiner Deutung dieser Geschichte von einem "Eigen-Sinn" des westdeutschen Staates auszugehen. Er betont die leitenden Kategorien der Darstellung - Stabilisierung, Pluralisierung und Internationalisierung -, die der Autor nicht aus nationalisierender Rückschau, sondern aus der Entwicklung der Bundesrepublik seit 1949 selbst ableitet. Durch eine positive Besetzung dieser Kategorien wird nach Angaben Conzes die Geschichte der BRD bei Wolfrum zu einer "Erfolgsgeschichte". Dabei hebt Conze hervor, dass der Autor zu dieser Einschätzung nicht aufgrund der unverhofften deutsch-deutschen Wiedervereinigung kommt, sondern aus seiner Analyse der 40 Jahre BRD selbst.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.01.2006
Gelungen findet Dietmar Süss diese Geschichte der Bundesrepublik von 1949 bis 1990 von Edgar Wolfrum, die nun als Band 23 des Standardwerk "Gebhardt. Handbuch der deutschen Geschichte" erschienen ist. Wie er betont, ist eine Geschichte der Bundesrepublik kein leichtes Unterfangen, ist sie doch gebunden an eine Vielzahl großer "Erzählungen": als Geschichte umfassender Modernisierung, als "Ankunft im Westen", als "68er Helden- und Befreiungssage oder antitotalitäre Siegesgeschichte". Wolfrums Werk findet Süss gerade deshalb "so erfrischend", weil es diese "Erzählungen" selbst zum Ausgangspunkt der Untersuchung macht und sich nicht vom Glanz der Zeitzeugen blenden lässt. Eindringlich zeige der Autor den Wandel der Disziplin und der Deutungsmuster, die das Bild der "alten" Bundesrepublik prägen. Dass dabei nicht nur Politik und ein wenig Wirtschaft, sondern auch Fragen der Kultur und Gesellschaft, und insbesondere die Nachgeschichte des Nationalsozialismus eine wichtige Rolle spielen, begrüßt Süss. Süss würdigt das Handbuch insgesamt als eine "ausgewogene wie wohltuend nüchterne Geschichte der Bundesrepublik". Bei manchen Problemfeldern wie zum Beispiel der deutsch-deutschen Beziehungsgeschichte hätte er sich allerdings eine etwas ausführlichere und aufmerksamere Behandlung gewünscht.
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