Brigitte Kronauer

Gewäsch und Gewimmel

Roman
Cover: Gewäsch und Gewimmel
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2013
ISBN 9783608980066
Gebunden, 615 Seiten, 26,95 EUR

Klappentext

Im Wartezimmer der mitfühlenden Krankentherapeutin Elsa hinterlassen alle ihre unsichtbaren Spuren: Ob jung oder alt, reich oder arm, deprimiert oder verliebt, hier kreuzen sich Lebensgeschichten, Sehnsüchte und Zeitungslektüren. Doch nachts bedrängen die Geständnisse der Patienten die wachliegende Elsa. So auch Elsas Lieblingspatientin Luise Wäns, die verliebt ist in Hans Scheffer, den Leiter eines Renaturierungsprojekts. Sie wünscht sich sehnlichst, mit ihm noch einmal in die Kindheit abzutauchen, ein kleines Arkadien zu schaffen gegen eine angeblich erwachsene Welt. Eine Welt, die großartig oder furchtbar ist wie die täglichen Nachrichten, die einen aber ständig überfordert. Und dennoch trotzen die Figuren dem Alltag stets aufs neue Bedeutung und Sinn ab.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 14.12.2013

Mit viel Lob bespricht Rezensent Ulrich Rüdenauer Brigitte Kronauers neuen Roman "Gewäsch und Gewimmel". Begeistert stürzt sich der Kritiker in das Durcheinander dieses Buches, in dem sich zahlreiche Episoden, Erzählfragmente und Gefühle zu einer kunstfertigen Totalität zusammensetzen. Im Mittelpunkt der Erzählung steht die Physiotherapeutin Elsa Gundlach, die von ihren Patienten allerlei Banalitäten, Intimitäten, aber auch Kuriositäten und Schauderhaftes zu hören bekommt. Dabei wird der Rezensent besonders von der Geschichte der älteren Patientin Luise Wäns in den Bann gezogen, die sich in den Mann ihrer Tochter verliebt - der wiederum das junge - äh -  "Indianermädchen" Anada begehrt. Dieser wunderbare Roman, der von Liebe, Verlangen, Resignation und Tod berichtet und dabei die "Nervosität zwischen den Menschen" spürbar macht, wird die Fantasie und Empathie des Lesers anregen, versichert der Kritiker.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.11.2013

Brigitte Kronauer könnte die letzte Autorin der Gegenwart sein, die sich noch traut, die Welt zu deuten, und nicht nur erzählt, glaubt Jens Jessen. Ihr neuer Roman "Gewäsch und Gewimmel" macht in seinen vielen sich zusehends verschränkenden Episoden jedenfalls eine ganze Kosmologie auf, die auf abstrakter Ebene eine Bewegung von der Immanenz zur Transzendenz und wieder zurück vollzieht, erklärt der Rezensent: durch Liebe wird eine Art Gott erschaffen - eigentlich ist er Landschaftspfleger -, der aber durch ein dumme Hochzeit stürzt und als "entzauberte Gestalt der verwalteten Welt" endet, fasst Jessen zusammen. Diese Bewegung spiegelt sich aber im Konkreten und Kleinen, verrät der Rezensent, die kulturschaffenden Zweibeiner zieht es aus der Großstadt zurück in die Natur, bei Kronauer bricht der Eskapismus aus, erläutert Jessen, der gerne noch vieles mehr über dieses Buch geschrieben hätte, das ihn so begeistert hat, aber ausloten wird man die Kronauer sowieso nie ganz, weiß der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.11.2013

Etwas Befreiendes hat der neue Roman von Brigitte Kronauer für Roman Bucheli. Warum? Bucheli findet die direkte Abbildung unserer fragmentierten Lebensweise im Text großartig. Einerseits. Andererseits gibt der Rezensent gerne zu, dass ihm die Lektüre Mühe gemacht hat. Da Kronauer keinen Roman im herkömmlichen Sinn erzählt, sondern ein zettelkastenartig zusammenhängendes Durcheinander mit vielen Anfängen und Enden, auf dem Bucheli wie auf einem Teppich davongetragen wird, muss sich der Leser durch manches "Gewäsch" kämpfen, etwa das der Physiotherapeutin Elsa, die den Leiden ihrer Patienten allzu nah kommt. Die drei Teile des Romans versucht der Rezensent dennoch irgendwie aufeinander zu beziehen - und siehe, es gelingt zumindest teilweise. Und Bucheli stellt fest: Es geht auch hier, wie seit jeher, um die eine große Erzählung vom Leben und Sterben der Menschen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.11.2013

Hin- und hergerissen ist Kristina Maidt-Zinke vom neuen Roman aus dem Hause Brigitte Kronauer, den sie mit einem Wimmelbild vergleicht. Verstreute Juwelen, Naturschilderungen etwa, Porträts, Anekdoten, Essayistisches, Komisches, Aufge- und Erlesenes, wie die Rezensentin es von der Autorin kennt. Dass Kronauer all das um die Praxis einer Physiotherapeutin herum anordnet, anhand eines Füllhorns von Figuren ins Bild bringt, scheint Maidt-Zinke allerdings nicht unproblematisch. Was sie beim Wimmelbild immerhin als Ganzes mit dem Blick erfassen kann, benötigt im Wimmelroman doch etwas wie eine Bewegung, die den Leser mitnimmt, meint sie. Genau die aber fehlt der Rezensentin. Die verschiedenen "Krankengeschichten" und Schicksale im Text bleiben gewissermaßen gesichtslos, erklärt Maidt-Zinke, die Figuren entwickeln kein Eigenleben, bleiben Sprachrohr.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.10.2013

Eigentlich schätzt Rose-Marie Gropp Brigitte Kronauer für ihr feinsinnig-ironisches und oft Stilblüten treibendes Spiel mit Sprache und einer Überfülle an Reizen. Leider muss die Kritikerin aber nach der Lektüre des Romans "Gewäsch und Gewimmel" feststellen: Dieses Mal hat es die Autorin zu bunt getrieben. Zunehmend ungeduldig folgt die Rezensentin den Irrungen und Wirrungen in der Praxis der Physiotherapeutin Elsa Gerlach, begegnet etwa der alten Dame Luise Wäns, die ganz vernarrt in den unauffälligen Hans Scheffer ist, oder dem freundlichen Bio-Metzger Wilhelm Hehe, der sich kurz vor seinem Tod noch in die unschöne Sabine verliebt. Leider gelingt es Kronauer nicht, den Leser längerfristig an eine der Figuren zu binden, klagt Gropp, die das Personal des Romans an "marionettenhaft hampelnde Larven" erinnert. Und so erscheint der Kritikerin dieser zwar kunstfertige, aber wenig mitreißende Sprachfluss, der weitreichende Themen wie Altern, Tod und bedrohte Umwelt streift, schließlich als eine "im Scheitern monumentale Versuchsanordnung".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 24.10.2013

Judith von Sternburg sieht den allwissenden, weltschaffenden Erzähler fröhlich Urständ feiern in Brigitte Kronauers neuem Roman. Was ihr zunächst wirklich wie Gewäsch und Gewimmel erscheint, entpuppt sich schnell als straff kalkuliertes und strukturiertes Stück Literatur. Logisch eigentlich bei dieser Autorin, scheint sich Sternburg zu sagen, die schon dem Begriff Liebesgeschichte bei Kronauer nicht über den Weg traut, so unkonventionell geht es im Buch zu, nicht nur in Liebesdingen, lässt uns die Rezensentin wissen, auch bei Tod und Kummer und all den anderen Alltagsproblemen, die die Autorin ihrer Figur Elsa, einer Krankentherapeutin, klar, in die Praxis schickt.
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