Bret Easton Ellis

Imperial Bedrooms

Roman
Cover: Imperial Bedrooms
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2010
ISBN 9783462042368
Gebunden, 215 Seiten, 18,95 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Sabine Hedinger. Fünfundzwanzig Jahre war Clay, der schon in Ellis' Debütroman "Unter Null" eine Hauptrolle spielt, nicht mehr in Los Angeles, doch jetzt muss er zurück in die Stadt seiner Kindheit und Jugend, um einen neuen Film zu promoten. Gleich auf der ersten Party trifft er, der gefeierte Drehbuchautor, auf seine alten Freunde: seine Ex-Freundin Blair, die mit Trent eine nicht sehr glückliche Ehe führt und die damalige Trennung offensichtlich immer noch nicht verdaut hat, den Exdealer Rip, der nach zahlreichen Faceliftings bis zur Unkenntlichkeit entstellt ist, und auf Julian, der nach mehreren Entziehungskuren endlich clean scheint. Keiner freut sich so recht, dass Clay wieder auftaucht, und sehr schnell zeigt sich, dass hinter der freundlichen Fassade alle einander zutiefst misstrauen: Die alten Geschichten und Ressentiments verbinden sich mit neuen Verdachtsmomenten zu einer dichten Atmosphäre der Paranoia und Angst.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.10.2010

Thomas David ist ziemlich angeödet von Bret Easton Ellis jüngstem Roman, in dem die Protagonisten seines vor einem Vierteljahrhundert erschienenen Romans "Unter Null" erneut auf den Plan gerufen werden. Gern erinnert sich der Rezensent an das "grandiose" Romandebüt, umso tiefer ist seine Enttäuschung, dass sich der amerikanische Autor hier nur als "lustloser" Regisseur einer angestrengt verrätselten und mit Thrillerelementen aufgemotzten "Leere" präsentiert. Anstatt nämlich die Verfolgungsängste seiner Hauptfigur Clay eindrucksvoll zu gestalten oder das hier aufgebotene Thrillergenre-Repertoire zu "ironisieren", wird sich in diesem Roman uninspiriert im "undurchdringlichen Gewölk rätselhafter Andeutungen" ergangen, hinter dem in Wirklichkeit nichts als "Nebel" zu entdecken ist", beschwert sich David.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.10.2010

War's das schon?, fragt Rezensentin Rose-Maria Gropp ungläubig. So ganz möchte sie ihren Bret Easton Ellis nicht aufgeben, aber leicht macht der Autor es ihr mit diesem Roman nicht. Das Problem ist: Es ist ihm nichts Neues eingefallen über die Jahre seit "Unter Null". Laut Gropp wartet die Fortsetzung mit eben jenen kalten Charakteren wie das Debüt auf, mit der nämlichen Misogynie ihres Autors bzw. Erzählers und dem gleichen Versuch, Angst zu evozieren. Nur dass Gropp die inzwischen gealterten  Figuren völlig kalt lassen, die Misogynie sich in den Sarkasmus eines Viagra-Kunden verwandelt hat und die Angst als Paranoia einer Persönlichkeit mit jeder Menge Defiziten daherkommt. Sehr schade findet Gropp, der Autor, meint sie, hat vorerst seine Chance vertan, Reife zu zeigen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 23.09.2010

Die aufgewärmte Geschichte um die Protagonisten von Bret Easton Ellis? Erstlingswerk "Unter Null" in dessen neuem Roman "Imperial Bedrooms" schmeckt dem Rezensenten Christoph Schröder gar nicht. Die Protagonisten von einst, Trent, Blair, Rip und Clay sind mittlerweile ein wenig in die Jahre gekommen, schlagen sich aber immer noch mit denselben Problemen herum: Sie sind drogenabhängig, gefühlskalt, abgestumpft, brutal. Aber der Rezensent ist das alles von Ellis schon so sehr gewöhnt, dass ihn das nicht mehr recht schockieren kann. "Schalheit" stellt sich ein, findet Schröder, wenn es beispielsweise darum geht, wie Clay als erfolgloser Drehbuchautor eine junge Schauspielerin ins Bett bekommen will. Da ist die Erkenntnis von Ellis, dass er immer auch Autobiografisches verarbeite, noch das Aufwühlendste am ganzen Buch, so der sichtlich ernüchterte Schröder.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.09.2010

Jens-Christian Rabe ist von Bret Easton Ellis' jetzt auf Deutsch vorliegendem Roman "Imperial Bedrooms", der, wie er mitteilt, eine Fortsetzung des vor 25 Jahren verfassten "Unter Null" darstellt, enttäuscht. Laut eigenen Aussagen wollte der amerikanische Autor, der von der Kritik damals teils als "großer Moralist", teils als "großer Amoralist" aufgenommen worden war, sehen, was aus seinen Protagonisten von einst geworden ist, so der Rezensent. Nun zeigt sich, dass die narzisstischen Helden von einst nicht weitergekommen sind, und der Rezensent ist ziemlich gelangweilt von Ellis' allzu "nahe liegender" Entwicklung dieser Stagnation. Der in "Unter Null" noch aufrüttelnde, betont nüchterne und kalte Ton, mit dem die hedonistischen und allein auf die eigene Befriedigung setzenden Figuren sich nun in der Filmbranche tummeln, wirkt hier nurmehr "einfallslos", beklagt sich Rabe. Interessant, dass er dem Ellis-Sound dennoch Sogwirkung attestiert; seinetwegen hätte dieser Roman jedoch nicht geschrieben werden müssen. Mit dieser Einschätzung weiß er sich übrigens mit der amerikanischen Kritik einig, bei der das im Juni letzten Jahres im Original erschienene Buch ebenfalls durchgefallen ist, wie Rabe weiß.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 23.09.2010

Der neue Roman von Bret Easton Ellis, der sich schon seit seinem Debüt "Unter Null" auf die nihilistischen Abgründe der amerikanischen Oberschicht spezialisiert hat, lässt die Rezensentin Wiebke Porombka einigermaßen verstört zurück. Diese Verstörung, so ergründet sie, ergibt sich nicht nur aus der Härte und der Gewalt, mit der Ellis, der "König der Kälte", die High Society beschreibt, sondern auch aus den Überblendungen von Realität und Romanwelt: Ellis hebe die Grenze zwischen sich und seinen Figuren zunehmend auf, und die Korrespondenzen zwischen den einzelnen Romanen könne man schon gar nicht mehr mit dem Begriff der Intertextualität fassen. "Imperial Bedrooms" nun ist die Fortsetzung von Ellis' vor 25 Jahren erschienenem Roman "Unter Null". Die damals vor allem antriebslose Hauptfigur Clay trage mittlerweile Züge von Patrick Batemann, dem psychopathischen Mörder aus "American Psycho", Ellis' wohl berühmtester Schöpfung, warnt Porombka. Ihr erscheint auch die Frage unheimlich, mit der Ellis schließlich seine Leser zurücklasse: "Und wie verkommen sind Sie?"