Klappentext

Aus dem Englischen von Ulrich Bossier. Mit einem Nachwort von Elmar Schenkel. Man muss sich einmal vorzustellen versuchen, wie dieser Urvater aller Blutsaugerromane 1897 auf ein Publikum gewirkt hat, das noch nie einen Vampirroman gelesen, noch nie einen Vampirfilm gesehen und nie gehört hatte von Untoten wie Dracula, Nosferatu oder Edward Cullen. "Keine Lektüre für Schwachnervige" kündigt die Werbung für die deutsche Übersetzung von 1908 an, und das ist nicht übertrieben. Das schaurige Geschehen entrollt sich wie ein Tatsachenbericht Stück für Stück in Tagebuchaufzeichnungen, Gesprächsnotizen, Briefen, Telegrammen und Zeitungsartikeln, und ganz allmählich erst kommt der Leser dahinter, welch fürchterliche Bedrohung sich hinter den rätselhaften Ereignissen verbirgt, deren Zeuge die Protagonisten werden. Die Handlung führt von Budapest durch die nächtlichen Karpaten nach Siebenbürgen (heute dank dieses Romans als Transsylvanien bekannt) auf das Schloss des Grafen Dracula, nach Whitby an der englischen Ostküste und nach London, bevor es nach einer langen Verfolgungsjagd wieder in der Nähe des Schlosses zum großen Showdown kommt. Nicht wenige der Beteiligten lassen unterwegs ihr Blut.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.04.2012

Als eine nach wie vor "einprägsame Mischung aus Heroismus, Sadismus, Perversion, Pornografie und religiösem Kitsch" empfiehlt der hier rezensierende Anglist Werner von Koppenfels Stokers Vampirroman, dem er außerdem bescheinigt, trotz mancher erzählerischer Ungeschlachtheiten ein ganzes Genre glücklich aus der Taufe gehoben zu haben. Bis heute, so Koppenfels, laden die Motive des Romans, die sich tief ins kollektive Vorstellungsvermögen gesenkt haben, zu den unterschiedlichsten Deutungen ein. Koppenfels bespricht Andreas Nohles Übersetzung für Steidl zusammen mit der Übertragung Ulrich Bossiers für Reclam. Beide Versionen kommen gut bei ihm an. Bei Nohl lobt er besonders, wie der Übersetzer die schwer übertragbaren dialektalen Nuancen des Romans in deutsche Pendants bringt. Bei Bossier gefällt ihm dagegen der moderne und gut lesbare Sprachfluss. Besonders lobend erwähnt Koppenfels noch Nohls Kommentierung und die schöne Ausstattung des Bands - während in der Bossier-Übertragung Elmar Schenkels Nachwort noch einen wohlwollenden Schlenker abbekommt. Ein schwere Wahl für Fans!

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.04.2012

Rezensent Jürgen Kaube bespricht diese Übersetzung von Ulrich Bossier parallel mit der zeitgleich erschienenen Übersetzung von Andreas Nohl und spricht eine Empfehlung aus, ohne weiter ins Detail zu gehen. Zuvor liest sich seine Kritik als eine Abhandlung über den Vampirmythos, der sehr neu sei und wenig mit dem übrigen Mythen- und Märchenschatz Europas zu tun habe. Zwar taucht der Vampir seit dem späten 18. Jahrhundert bei mehreren Schriftstellern auf - etwa bei Goethe oder Maupassant - aber erst Bram Stoker, so Kaube, hat ihm zur eigentlichen Karriere verholfen, deren Elemente weithin bekannt sind, ohne dass man sein Buch gelesen haben muss. Es handelt sich - mit seinen britischen Opfern, seinem niederländischen Experten und natürlich dem rumänischen Grafen - um einen der wenigen echt europäischen Romane, so Kaube. Am liebsten liest er die bei Norton von Leslie S. Klinger herausgegebenen und annotierte Ausgabe. Aber auch diese deutsche Ausgabe stößt bei ihm wie gesagt auf Zustimmung.
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