Den Aufstieg der Sowjetunion zur Weltmacht hätte es ohne materielle Unterstützung aus Deutschland nicht gegeben, das legt der Historiker Bogdan Musial in seinem neuen Buch dar. Bis zum deutsch-sowjetischen Krieg 1941 war es die Lieferung deutscher Maschinen und Anlagen im großen Stil, die den Aufbau der sowjetischen Schwer- und Rüstungsindustrie ermöglichte. Nach dem Krieg war es die systematische Demontage sämtlicher ostdeutscher Industrie- und Infrastrukturanlagen, die Stalins Regime einen zweiten, aus eigenen Kräften nicht erreichbaren Modernisierungsschub bescherte. Warum verfügte Stalin im Zweiten Weltkrieg über ein von Hitler völlig unterschätztes Rüstungspotential, das ihm schließlich den Sieg brachte? Welche Ausmaße hatte der von langer Hand geplante beispiellose Raubzug, der dem sowjetischen Diktator weit über die im Potsdamer Abkommen vereinbarten Reparationen hinaus Maschinen, Rohstoffe, Fertigprodukte, Laboratorien, Industrie- und Infrastrukturanlagen einbrachte, die in seinem Teil des besiegten Deutschlands bitter fehlen sollten? Hierauf gibt Musial gewohnt gründliche Antworten, die den Aufstieg und späteren Abstieg der Sowjetunion in neuem Licht erscheinen lassen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.08.2010
Ach, der Markt! Lieber als beim Zusammenschustern von pseudowissenschaftlicher Literatur hätte der ungehaltene Rezensent Klaus-Dietmar Henke dem Autor bei seiner ureigenen Arbeit der fokussierten Quellentiefbohrung zugeschaut. Fehlanzeige in diesem Buch, in dem der deutsch-polnische Historiker Bogdan Musial mit seinen durchaus staunenswerten Archivfunden das Thema der alliierten Reparationspolitik, besonders der sowjetischen Beutepraxis, laut Rezensent eher im Material ersäuft, als es zu erhellen. Wissenschaftlich gesehen bewegt sich Musial nach Henke zudem wie ein Elefant im Porzellanladen, missachtet fröhlich Forschungsergebnisse und macht sich mit "Anti-Establishment-Gestus" gegen Kritik immun. Schließlich bietet Henke dem Autor Nachhilfe in verschiedenen Fächern (etwa zur Potsdamer Reparationsregelung) an, und dass der Band sich in großen Teilen gar nicht dem Titelthema widmet, wie Henke feststellt, ist da fast schon nebensächlich.
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