Bodo Morshäuser

Die Berliner Simulation

Erzählung
Cover: Die Berliner Simulation
Hanani, Berlin 2014
ISBN 9789783944107
Broschiert, 128 Seiten, 14,00 EUR

Klappentext

Westberlin, Herbst 1981. Eine Stadt, die in einer Zeit wachsender Unruhe Normalität vortäuscht. Der Kampf um besetzte Häuser entwickelt sich zum Straßenkampf. Auf der Potsdamer Straße, deren Umgebung noch gezeichnet ist von den Wunden eines vergangenen Krieges, stirbt ein junger Mann. Empörung treibt viele auf die Straße, andere marschieren zur täglichen Arbeit, drehen Filme oder durchstreifen die Stadt auf der Suche nach privatem Glück. Plötzlich erscheint Sally, die eigentlich Sarah heißt und aus England nach Berlin geflohen ist. Beim Kennenlernen fließt Blut. Dann ist sie verschwunden, hinterlässt nichts als ein Bild im Kopf des Erzählers. Aus einer Spiegelsäule tritt sie ihm beim Schweifen durch die Nacht ein zweites Mal entgegen. Nach ihrem Wiedersehen zieht es beide noch tiefer in die Bewegung dieser Stadt hinein, und im gemeinsamen Blick entsteht ein Sog von Wirklichkeit und Gegenwart: "Ich zeige ihr, wo sie angekommen ist, sie mir, wo ich herkomme." Bodo Morshäusers Sprache wirkt beweglich wie Tanz und Musik, von denen sie auch erzählt. In der Form eines Albums vereint das Buch Prosaszenen und Gedichte.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.07.2014

Rezensent Christopher Schmidt begrüßt freudig die bereits 1983 erschienene, nun wieder aufgelegte Erzählung "Berliner Simulation" des zu Unrecht vergessenen Schriftstellers Bodo Morshäuser. In dem Buch, das einst als "Kult-Lektüre" der Nach-68er galt, folgt der Kritiker ganz berauscht der kaleidoskopartig geschriebenen Geschichte um drei Berliner Jugendliche, die - parodistisch anspielend auf eine wahre Begebenheit aus dem Jahre 1969 - ein Kaufhaus anzünden und die Tat mit dem Satz "Wir sind nicht mehr empört" begründen. Schmidt streift mit dem Autor durch das Westberlin der 80er Jahre, das wie eine Blase oder ein "Labor der Herkunftslosigkeit" erscheint und erlebt den - auch wunderbar sprachlich eingefangenen - Wandel der drei Jugendlichen von subkulturellem Hedonismus zu Aufbruchstimmung. Märchen- und Sehnsuchtsmotive machen den Lesegenuss für den Rezensenten schließlich vollkommen.

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