Björn Stephan

Nur vom Weltraum aus ist die Erde blau

Roman
Cover: Nur vom Weltraum aus ist die Erde blau
Galiani Verlag, Berlin 2021
ISBN 9783869712291
Gebunden, 352 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Mit 18 s/w-Abbildungen (inklusive Handletterings). Von der Poesie des Plattenbaus, der ersten Liebe, weißen Zwergen und blauen Riesen. Seitdem er klar denken kann, und das ist im Sommer 1994 erst seit einigen Monaten der Fall, sammelt Sascha Labude, ein etwas verträumter 13-Jähriger, einzigartige Wörter. Wie zum Beispiel Ling, ein Wort, das aus China stammt und das Geräusch beschreibt, wenn zwei Jade-Steine aneinanderschlagen. Dabei gibt es in Klein Krebslow, der Plattenbausiedlung, in der Sascha und sein bester, klavierspielender und Elton-John-verehrender Freund Sonny aufwachsen, eigentlich nur Beton und ein paar Kiesel.Und auch sonst ist Saschas Leben relativ ereignislos, sofern man außer Acht lässt, dass das alte Land untergegangen und Saschas Vater verstummt ist, und dass die Pawelkes, die scheußlichsten Schläger der Siedlung, im selben Aufgang wohnen wie er. Doch dann zieht Juri nach Klein Krebslow. Ein geheimnisvolles Mädchen, das alles über die Sterne und die Entstehung des Universums zu wissen scheint. Nur wo sie selbst herkommt, darüber will sie nichts erzählen. Als Sascha und Juri zufällig beobachten wie die Pawelkes den alten Irren zusammenschlagen, einen Mann, über den viele Gerüchte durch die Siedlung geistern, beginnt für die zwei ein alles verändernder Sommer, nach dem kaum noch etwas so ist wie es einmal war.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.07.2021

Rezensent Oliver Jungen ist enttäuscht von Björn Stephans Nachwenderoman aus Kindersicht. Alle atmosphärisch wirksamen Zutaten vom Lada über die Platte bis zum Jung-Fascho sind in der 1994 spielenden Geschichte zwar da, stellt Jungen fest, ansonsten aber dominieren Sentenzen, Klischees und eine Dramaturgie wie aus dem Creative-Writing-Kurs. Eine verlässliche Erzählhaltung zum Thema Verlorenheit im Osten kann Jungen auch nicht entdecken. Ostalgie und "gefühliges" Erzählen machen keinen guten Roman, meint er.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 03.07.2021

Rezensentin Julia Lorenz kann sich nur "halbwegs" mit Björn Stephans autobiografisch inspiriertem Roman versöhnen. Denn insgesamt sei der Roman um einen im Osten der Nachwendejahre aufwachsenden Jungen zwar eine "liebevoll komponierte" Coming-of-Age-Geschichte, die es auch schaffe, im Plattenbaualltag Momente der Schönheit und des Trosts aufblitzen zu lassen. Mit der ausladenden Weltraum-Metaphorik jedoch (ausgehend von Juri, der Jugendliebe des Protagonisten, die Juri Gagarin verehrt) sowie mit der arg holzschnitthaften Figur des iranischen Nachbarn hat die Rezensentin Probleme, und am meisten stört sie der Umgang des Romans mit rechter Gewalt in den 90er Jahren: Das "reinigende Inferno", mit dem der exemplarische Konflikt zwischen den Protagonisten und zwei Neonazi-Brüdern aufgelöst wird, minimiert ihrer Meinung nach die Komplexität der damaligen Lage. Trotzdem hält sie dem Roman zugute, zur zunehmenden Sichtbarkeit der Nachwendezeit im Osten beizutragen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.05.2021

Rezensentin Katharina Granzin hält Björn Stephans Nachwende-Roman für eine etwas gewagte Mischung. Mit Jugendbuchelementen, die an Steinhöfels Rico-und-Oskar-Reihe erinnern, und überraschend nostalgisch verklärend, so Granzin, erzählt der Autor (Jahrgang 1987) aus der Sicht des 15-jährigen Sascha von den Nachwendejahren, von Saschas Freundschaft zum nerdigen Sonny und von seiner Liebe zur naturwissenschaftlich begabten Juri, eigentlich Jenny. Klar, der Autor hat die betreffende Zeit nicht im Alter seiner Protagonisten erlebt, weiß Granzin, und ein bisschen Vergangenheitsverklärung sei bei einem Jungautor auch im Grunde verzeihlich, aber die 90er liegen für den Geschmack der Rezensentin dafür doch noch etwas zu nah an der Gegenwart. Auch Juris/Jennys Bewunderung für Juri Gagarin, der an der Verabschiedung des Gesetzes für Putins Machterhaltung beteiligt war, findet Granzin problematisch.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.03.2021

Rezensent Christoph Schröder findet Gefallen an Björn Stephans Debüt und dem aus der Perspektive eines Heranwachsenden mit poetischer Ader beschriebenen Milieu einer Kleinstadt in der DDR anno 1989. Die triste Umbruchstimmung kommt im Text gut rüber, findet er, ebenso die kleinen utopischen Fluchten des Protagonisten und seiner Freunde. Manches wirkt auf Schröder zwar etwas ausgedacht oder auch kitschig, insgesamt aber scheint ihm der Roman schlüssig und reich an gültigen Erkenntnissen (siehe Titel).
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