Birte Giesler lädt ein zur Wiederentdeckung einer im 18. Jahrhundert viel gelesenen Autorin, die mit Esprit und Scharfsinn Geschlechterstereotype beleuchtete. Von den Zeitgenossen viel gelesen und gerühmt, sind die Texte der Schriftstellerin,Übersetzerin und Verlegerin Friederike Helene Unger (1751-1831) heute weitgehend vergessen. Zu Unrecht - denn die Wiederentdeckung ihres im Zentrum des Berliner Literaturbetriebs der Goethezeit entstandenen Erzählwerks stößt auf eine spezifische, den künstlerischen Entstehungskontext reflektierende Literarizität. Als erste Unger-Monographie enthält der Band zudem eine umfassende Dokumentation mit einem Werkverzeichnis und einer Liste der überlieferten Autographen, die der zukünftigen Forschung den Weg zu den teilweise schwer zugänglichen Quellen erleichtert.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 20.09.2003
Friederike Helene Unger ist längst vergessen - zu Unrecht, wie die Germanistin Birte Giesler in ihrer Studie zu Leben und Werk der Verlegerin und Schriftstellerin feststellt. Ungers Unterhaltungsromane waren einst viel gelesen und sind im bewussten Einsatz literarischer Anspielungen heute als "Echoraum der zeitgenössischen Literatur" noch von Interesse. Unger korrespondierte, als Gattin von Goethes Verleger, mit Goethe, Tieck, Schiller und weiterer Literaturprominenz der Zeit und sie erweise sich, so der Rezensent (Kürzel Jdl.), unter Gieslers Blick als "Avantgardistin weiblicher selbstbewusster Intellektualität". Dadurch sei das Buch auch ein wertvoller, weil weithin unerforschtes Gelände bearbeitender, Beitrag zu den "Gender Studies" in Deutschland.
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