Herausgegeben von Hermann Kinder. Berthold Auerbach, eigentlich Moses Baruch Auerbacher, 1812 in Horb-Nordstetten im Schwarzwald geboren und 1882 in Cannes gestorben, wurde wie Goethe, Herder, Hölderlin, Kleist, Jean Paul und Schiller vom "großen" Cotta, also vom "König der Verleger" verlegt und war wohl der international bekannteste deutsche Erzähler des 19. Jahrhunderts. Auerbach propagierte einen neuen europäischen Realismus und verdankte seinen Ruhm insbesondere seinen "Schwarzwälder Dorfgeschichten", sie wurden gelesen und übersetzt in England, Frankreich, Holland, Schweden und in den USA. Berthold Auerbachs Briefe an seinen Namensvetter Jakob sind ein einmaliges Zeugnis für die politischen, ideologischen und psychischen Probleme des deutschen 19. Jahrhunderts. Hermann Kinder, von Auerbach fasziniert, hat die ursprünglich annähernd 900 Seiten füllenden Briefe collagiert und nacherzählt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 19.04.2011
Für Sabine Peters ist dieses Buch eine Art Mobile, an dem verschiedene Textsorten eine vage, doch erkenntnisfördernde Balance erzeugen. Die von Hermann Kindler für diesen Band besorgte Auswahl aus den Briefen des jüdisch-deutschen Schriftstellers Berthold Auerbach, versehen mit Anmerkungen, Kommentaren und Nachwort, besticht für sie durch die Form der Collage, in der ein erläuterndes Ich über Auerbach spricht. Auerbach lernt sie als einen sympathischen, äußerst vielseitig interessierten, sensiblen Beobachter des 19. Jahrhunderts kennen. Die vorliegende Darstellung scheint ihr durch ihre selbst Widersprüchliches vereinende Lebendigkeit diesem Leben aufs beste zu entsprechen.
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