Deutsche haben in der Geschichte Argentiniens immer wieder eine wichtige Rolle gespielt. Nach der Staatsgründung 1810 gab es vor allem auf wirtschaftlichem und militärischem Gebiet enge Kontakte. Im 20. Jahrhundert entwickelte sich nach der Herrschaft Perons, der Zuflucht ehemaliger Nazis und der Militärdiktatur ein intensiver Austausch in den Bereichen Politik, Wissenschaft und Kultur. Deutschland ist inzwischen der viertwichtigste Handelspartner Argentiniens und einer der stärksten europäischen Kooperationspartner, noch vor Spanien. Bernd Wulffen, der lange als Diplomat in Argentinien tätig war, mit einer Argentinierin verheiratet ist und inzwischen einen Teil des Jahres dort lebt, berichtet in kurzweiligen, anekdotenreichen Kapiteln über die vielfältigen, oft abenteuerlichen Aktivitäten der Deutschen in Argentinien und spart dabei die schwierigen Abschnitte in den Beziehungen beider Länder nicht aus.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 05.10.2010
Sebastian Schoepp begrüßt das Buch des ehemaligen Diplomaten Bernd Wulffen, der die Geschichte der deutschen Einwanderung nach Argentinien aufarbeitet und damit eine Lücke schließt. Entgegen der landläufigen und sich hartnäckig haltenden Auffassung, die argentinische Pampa habe nur untergetauchten Nazis Zuflucht geboten, setzt Wulffen bereits im Jahr 1535, zur Zeit der Konquistadoren, mit dem "Büchsenschützen Utz Schmiedl aus Straubing" an und schreitet von dort beharrlich "mal anekdotisch, mal mit wissenschaftlichem Spürsinn" voran, bis zu den 45.000 jüdischen Deutschen, die auf der Flucht vor den Nationalsozialisten in Buenos Aires strandeten, und weiter. Bedauerlich findet es der Rezensent, dass Wulffen sich in den Einzelheiten der argentinischen Geschichtsschreibung verliert, anstatt die Haltung der deutschen Vertretung während der Diktatur zu analysieren und sich mit den Lebensbedingungen der Einwanderer auseinanderzusetzen, die en gros der Neigung verfielen, sich "in Zirkel und sektiererische Kolonien zurückzuziehen", so Schoepp.
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