Ein technisches Zeitalter ist angebrochen, konstatiert man einhellig zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Und so träumt man von einem neuen, einem technischen Menschen, der zuallererst neu zu erschaffen, zu konstruieren sei. Die Montage ist in den 1920er und 1930er Jahren dasjenige Verfahren, das von den Fabriken über die Kinos bis hin zu den Zeitschriften und dem Alltagsleben genau dieser Aufgabe dient. Es findet sich in allen Feldern der Technik und Ästhetik, versteht sich als visuelle Alphabetisierung, Psycho- und Medientechnik und zugleich auch als Vermittler zwischen den politischen Extremen. Taylorismus und Fordismus, aber auch Reflexologie, Arbeitswissenschaft und Psychotechnik sind die Strategien einer Neukonstruktion des Menschen und der Gesellschaft in den Vereinigten Staaten, in Europa, aber auch im revolutionären Sowjetrussland. Zwischen Utopie und Dystopie pendelnd wird das Leben in einer technischen Welt entworfen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.02.2017
Rezensent Thomas Steinfeld ist ganz und gar nicht beruhigt nach der Lektüre von "Der montierte Mensch". Warum die Menschen aufgehört haben, über ihre Anpassung an das Maschinenwesen zu reflektieren, fragt er sich aufgewühlt, nachdem ihm in Bernd Stieglers Arbeit die Entwicklung der Idee und Umsetzung der automatisierten Gesellschaft bzw. des "montierten Menschen" erklärt wurde. Dass diese Visionen und Hoffnungen immer alarmierend nah an der Grenze zur Katastrophe, zum Untergang liegen, weiß der aufgewühlte Rezensent nun und das, wie er anerkennend feststellt, ganz ohne moralische Lektionen.
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