Bernd Stegemann

Kritik des Theaters

Cover: Kritik des Theaters
Theater der Zeit, Berlin 2013
ISBN 9783943881028
Gebunden, 336 Seiten, 24,50 EUR

Klappentext

Die Sehnsucht des Theaters gilt der Darstellung des Menschen. Diese Sehnsucht hat die Postdramatik, so ihr profiliertester Kritiker Bernd Stegemann, zu Unrecht in Zweifel gezogen. Die Tradition von Mimesis, Spiel und Bedeutung wurde durch Selbstreferenz, Ironie und Performativität ersetzt. In den Spielen der Postdramatik erscheint die Realität nur noch als Simulation. Alle Ereignisse sind zu Zeichen ihrer selbst geworden und kokettieren mit dem Anschein von Authentizität. Die kapitalistisch organisierte Gesellschaft bleibt von diesen Spielen ungestört. Sie macht ihre zerstörerischen Geschäfte mit fiktivem Geld, das im Leben der Menschen eine verblüffend echte Rolle spielt. Kritik des Theaters ist nicht nur eine grundsätzliche Kritik an der verbreiteten Beschränkung auf postdramatische Spielarten, es ist ein Plädoyer für die Wiederbelebung der Kritikfähigkeit des Theaters.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.02.2014

Gegen den Strich gelesen macht das Buch für Dirk Pilz Sinn. Eins zu eins gelesen wäre Bernd Stegemanns Generalkritik gegen ein allzu sehr dem Kapitalismus höriges zeitgenössisches Theater laut Pilz jedoch unhaltbar. Polemik aber funktioniert für den Rezensenten gerade durch die teilweise Missachtung von Realitäten. Hier zum Beispiel derjenigen, dass das Künstlertheater mitnichten im Schwinden ist, wie der Autor behauptet. Oder dass eine Kapitalismusdefinition von Stegemann recht unkritisch übernommen wird. Richtig schwierig findet Pilz indessen die im Text zutage tretende begriffliche Unschärfe in der Argumentation. Als Aufruf zu mehr Bewusstheit über Theater und seine gesellschaftliche Verbundenheit und Verpflichtung hält er das Buch dennoch für wichtig.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.07.2013

Es ist kein Zufall, dass das Theater seine Zähne verloren hat, seine Harmlosigkeit, insbesondere die des postmodernen Theaters, das sich mit Vorliebe in Paradoxien suhlt, lässt sich direkt mit den Anforderungen des neoliberalen Kapitalismus in Verbindung bringen, so könnte man die zentrale These von Bernd Stegemanns "Kritik des Theaters" beschreiben, meint Peter Michalzik. Die Schauspieler wurden von der Performance abgeschafft, und das Theater übt sich in der "hohen Schule der Selbstreferenz", deren ausdrücklicher Selbstbezug wie maßgeschneidert für den isoliert-individuellen Menschen im Kapitalismus erscheint, die Ästhetik von heute ist Ausdruck einer "knechtischen Authentizität", erklärt der Rezensent. Schön wäre nur gewesen, wenn Stegemann den Blick einmal aus der Nische des postmodernen Theaters gehoben hätte und den Rest der gegenwärtigen Kulturproduktion wenigstens auszugsweise einbezogen hätte, findet Michalzik, er hätte seine These auch dort bestätigt gefunden, ist sich der Rezensent sicher.

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