Benjamin R. Barber

Consumed

Wie der Markt Kinder verführt, Erwachsene infantilisiert und die Demokratie untergräbt
Cover: Consumed
C. H. Beck Verlag, München 2007
ISBN 9783406571596
Gebunden, 395 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Erstmals in der Geschichte glaubt eine Gesellschaft, dass ihr ökonomisches Überleben von einer Kultur abhängt, die Infantilisierung statt Reife und Verantwortlichkeit fördert. Der Konsumkapitalismus braucht das infantile Ethos, weil er das Einfache dem Komplexen vorzieht und Spaß und Freizeit anstatt Disziplin und Verzicht favorisiert. Infantilisierung ist jedoch nicht nur eine Marketingstrategie, sondern ein kulturelles Ethos. Zusammen mit einer Ideologie der Privatisierung und einer Homogenisierung des Geschmacks stützt dieses Ethos den Konsumkapitalismus, allerdings auf Kosten der Kultur und um den Preis einer wachsenden Gefährdung des Kapitalismus selbst. Entweder, so Benjamin Barbers These, wird der Kapitalismus das infantile durch ein demokratisches Ethos ersetzen und Gleichheit wieder ebenso fördern wie Profit, Vielfalt ebenso wie Konsum, oder die Infantilisierung wird nicht nur die Demokratie, sondern auch den Kapitalismus selbst zugrunde richten.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.07.2008

Für Ludger Lütkehaus tritt uns Benjamin R. Barber in seinem neuen Buch als "altmodischer Demokrat" entgegen, der gegen die "Infantilisierung" der Gesellschaft, die Zurichtung der Kinder zu Konsumenten und gegen die damit einher gehende Gefährdung der Demokratie zu Felde zieht. Barbers Analyse der "Überproduktionsgesellschaft" und seine Konsumkritik sind nicht neu und bedauerlicherweise biete der Professor of Civil Society an der Universität von Maryland auch keine "Theorie der Infantilisierung", moniert der Rezensent, den zudem eine gewisse Redundanz in der Argumentation des Autors stört. Trotzdem kann Lütkehaus nicht verhehlen, dass ihm das aufrechte Eintreten für "genuin politische" Lösungen der prekären Lage imponiert. Allerdings teilt der Rezensent kaum die Hoffnung Barbers, dass sich der Konsument des "Hyperkapitalismus" tatsächlich in "demokratischer Revisionsfähigkeit" noch mal zum erwachsenen "Citoyen" wandelt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.04.2008

Benjamin Barbers Buch "Consumed" hat Gert G. Wagner keineswegs überzeugt. Die umfassende Konsumismus-Kritik des Politologen scheint ihm nicht nur zu undifferenziert, sondern auch voll von Widersprüchen. Auch wenn er dem Autor hinsichtlich der Bedeutung des sozialen Engagements für den Zusammenhalt einer Gesellschaft zustimmt, widerspricht er ausdrücklich dessen These vom gegenwärtigen Untergang des Engagements aufgrund eines pervertierten Konsumverhaltens, das aus Bürgerinnen und Bürgern infantilen Idioten mache. Er hält dem Autor im Detail zahlreiche Widersprüche vor, ärgert sich über die Unterschlagung von historischen und aktuellen Fakten und moniert kleinere Fehler. Außerdem missfällt Wagner das exzessive Name-Dropping, das Barber betreibt. Für ihn insgesamt ein "wirres Buch".
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 10.04.2008

Als in seiner Analyse durchaus treffend, mit seinen Lösungsvorschlägen jedoch zu kurz greifend bewertet Rezensent Ludger Heidbrink das neue Buch des amerikanischen Politikwissenschaftlers. Darin geht es Heidbrink zufolge um die gegenwärtige Krise der Demokratie, als deren Hauptursache Benjamin Barber die Infantilisierung des Bürgers durch den gegenwärtigen Konsumkapitalismus benenne. Dieser löse "soziale Bindungen" durch "hedonistische Rücksichtslosigkeit" auf und sorge dafür, dass private Leidenschaften an die Stelle öffentlicher Interessen getreten seien. Allerdings können Barbers Vorschläge, wie sich der Einzelne aus der Übermacht des Konsumismus, seinen Heils- und Genussversprechen befreien könnte, den Rezensenten nicht überzeugen. Trotzdem hat das Buch Heidbrink von der Notwendigkeit einer "Allianz von demokratischer Steuerung und ökononomischer Kultur" überzeugt, um die gegenwärtige Krise der Demokratie in den Griff zu bekommen, die Barber zufolge das Ergebnis ihrer Unterwerfung durch den Kapitalismus sei.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 01.03.2008

Recht positiv hat Robert Misik diese kritische Streitschrift wider den totalen Konsum von Benjamin R. Barber aufgenommen. Er beschreibt den amerikanischen Politikwissenschaftler als Linksliberalen mit einem ordentlichen Einschlag von konservativem Kulturpessimismus. Gleichwohl scheint ihm vieles, was Barber schreibt, überaus zutreffend. Schon dessen Buch "Jihad vs. McWorld" von 1995 hat er sehr geschätzt. Auch mit Barbers aktueller These, die Ideologie des Konsums und die umfassende Kommerzialisierung infantilisiere die Menschen zunehmend, mache aus Bürgern Kinder und führe zu Narzissmus, Verantwortungslosigkeit, Verschwinden des Bürgersinns und Kulturverlust, kann er einiges anfangen. Nicht verhehlen will er die Tendenz des Autors zur Polemik. Im Grunde scheint er diese freilich recht sympathisch zu finden.
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