Die fünf Maghrebstaaten bilden eine Art doppelten Schutzwall für die südlichen Grenzen Europas: in der Sahara und an der Mittelmeerküste. Sie verhindern zum einen die massenhafte Auswanderung ihrer eigenen Bürger nach Europa, zum anderen blockieren sie die Migration von auswanderungswilligen Menschen aus Ländern südlich der Sahara. Europa ist auf eine enge Zusammenarbeit mit den Maghrebstaaten zur Steuerung der irregulären Migration angewiesen. Diese ist aber politisch umstritten und birgt moralische Dilemmata. Der Autor, der den Maghreb seit 30 Jahren intensiv bereist, spricht mit Migranten und Schleppern. Auch die Sicht Europas bringt er zur Sprache.
Für Susanne El Khafif ist das Buch des Journalisten Beat Stauffer ein konstruktiver Beitrag zur Flüchtlingsdebatte. Dass der Autor provoziert, indem er Europa die Leviten liest und eine Revision der Genfer Flüchtlingskonvention fordert, aber zugleich gegen unerlaubte Zuwanderung stimmt, gefällt der Rezensentin gut, weil Stauffer auch ausgewogen argumentiert und Missstände vor Ort im Maghreb recherchiert und analysiert und mit Fluchtwilligen spricht. Auch formal und methodisch findet die Rezensentin das Buch überzeugend. Der Autor mischt aktuelle Forschungsergebnisse mit eigenen Erkenntnissen und weist Textsorten wie Reportage, Biografie und Interview nachvollziehbar aus, erklärt sie. Das Urteil überlässt der Autor dabei dem Leser, so El Khafif.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.08.2019
Wolfgang Freund begrüßt das Buch des Maghreb-Kenners Beat Stauffer als den seltenen Fall einer an Einsichten reichen und anregenden Darstellung verschiedener Problemkreise der Region. Freund zeigt sich überrascht von Stauffers Kenntnissen, auch wenn das Buch klar "Tunesien-zentriert" ist, wie er feststellt und ihm Tunesien als Modellfall immerhin fragwürdig erscheint. Dass der Autor etwa die "iberisch-moriskische" Komponente Tunesiens nicht anspricht, bemängelt Freund. Wie Islamismus und Westbindung die tunesische Kultur prägen, kann der Autor laut Rezensent anhand von Interviews, etwa mit Flüchtlingen, hingegen gut vermitteln, findet Freund. Und Stauffers Lösungsvorschläge für die Migration erscheinen ihm größtenteils "schweizerisch-pragmatisch", intelligent.
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