Aus dem Hebräischen von Barbara Linner. Auf dem Speicher eines verlassenen Wohnhauses am Rande der Jerusalemer Altstadt wird eines Tages die Leiche einer jungen Frau entdeckt. Um den Hals der 22-jährigen Zohra Baschari ist ein roter Seidenschal geschlungen, ihr Gesicht ist zerschmettert. Bei seinen Ermittlungen stellt Inspektor Ochajon schon bald fest, dass Zohra Geheimnisse in ihrem Leben barg, von denen niemand etwas ahnte. Als kurz darauf auch noch die zehnjährige Nesja spurlos verschwindet, spitzen sich die Ereignisse zu. Das kleine Mädchen vergötterte die schöne Zohra zu Lebzeiten und war ihr oft wie ein unsichtbarer Schatten gefolgt. Offensichtlich weiß das Kind etwas über die Hintergründe der Tat und schwebt nun selbst vielleicht in höchster Gefahr. Inspektor Ochajon muss handeln, und zwar schnell ...
Als "israelische Lady of Crime" bezeichnet Tobias Gohlis in seiner Rezension des Romans "Denn die Seele ist in deiner Hand" die Autorin Batya Gur. Ihr unbestechlicher Blick auf die Konflikte dieses Landes sei eine Lektüre dieses Buches Wert. Gerade die versteckten Abgründe des menschlichen Seins, welche sich hinter einer wohlbehüteten harmonischen Fassade verbergen, werden von der Autorin mittels einfühlsamer und scharf charakterisierenden Personenzeichnungen deutlich gemacht, so der Rezensent weiter. Anhand eines Mordfalls in dem Jerusalemer "Multikulti-Vorzeigeviertel" Bak'a werden die tief sitzenden Konflikte des Landes herausgestellt - einerseits der arabisch-jüdische Konflikt, andererseits der innerjüdische zwischen den Aschkenasim europäischer Herkunft und den Sephardim orientalischer Herkunft.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 17.04.2003
Stefana Sabin freut sich über die Begegnung mit einem alten Bekannten: Inspektor Ochajon, der seit sehn Jahren Jerusalemer Mordfälle aufklärt und sich dabei durch die Engpässe der israelischen Gesellschaft schlagen muss. Dieses Mal erzähle Batya Gur eine selbstverständlich tragisch endende Romeo-und-Julia-Geschichte vor dem Hintergrund von Emigrationserfahrungen und den Spannungen zwischen den Aschkenasim und den Sephardim. Ein "schöner Krimi" ist ihr gelungen, lobt Sabin. Die Spannung werde geschickt mit sozialkritischen Beschreibungen verlängert und die Atmosphäre der Handlungsorte sei sehr genau eingefangen. Schade nur, dass ihr Spiel mit der Umgangssprache die Übersetzung kaum überlebt habe.
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