Baruch Kimmerling

Politizid

Ariel Sharons Krieg gegen das palästinensische Volk
Cover: Politizid
Diederichs Verlag, München 2003
ISBN 9783720523752
Gebunden, 224 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Dirk Oetzmann und Horst M. Langer. Ariel Sharons Verbrechen gegen das palästinensische Volk: Seine Innen- wie Außenpolitik zielt allein darauf ab, die Identität und Infrastruktur des palästinensischen Volkes zu vernichten. Der "Politizid" läuft auf eine ethnische "Säuberung" Israels von den Palästinensern hinaus. Das Fazit des Autors: Ohne Versöhnung zwischen Israel und den Palästinensern werde der jüdische Staat zu einer Fußnote in der Weltgeschichte.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.10.2003

Eine reine "Anklageschrift" gegen Ariel Sharon erblickt Rezensent Igal Avidan in Baruch Kimmerlings Buch "Politizid". Wie er berichtet, wirft der israelische Soziologe seinem Premierminister einen "politischen Genozid" am palästinensischen Volk vor. Kimmerling zeige zunächst, dass sich Sharon schon als General in den 50er und 70er Jahren durch besonders brutale Vergeltungsaktionen ausgezeichnet habe. Allerdings unterschlage der Autor dabei, dass diese Operationen auch die Reaktion auf Überfälle palästinensischer Kommandos waren. Seine Schilderungen von Sharons kriegerischen Aktionen gegen die Palästinenser vermische Kimmerling bisweilen mit seiner Analyse des israelisch-palästinensischen Konfliktes. Insgesamt stelle Kimmerling Sharon als "improvisierenden Taktiker" da, der meine, Israel müsse die arabischen Nachbarn einschüchtern, damit das Land in Sicherheit leben könne. Dabei lässt Kimmerlings "massive Kritik" am israelischen Premier nach Ansicht Avidans außer Acht, "dass sich die meisten Israelis, wie auch die Pazifisten, in Krisenzeiten nach einem starken Führer und einer großen Koalition sehnen."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 11.04.2003

Den plakativen Titel findet Rezensentin Alexandra Senfft zwar abschreckend, das Buch selbst aber zeichnet sich zu ihrer Freude durch Nüchternheit und Differenziertheit aus. In "Politizid - Ariel Sharons Krieg gegen das palästinensische Volk" schildert der israelische Soziologie-Professor Baruch Kimmerling die von Ariel Scharon betriebene stufenweisen Auslöschung des palästinensischen Volkes als nationale Entität, als "soziale, politische und wirtschaftliche Größe", berichtet Senfft. Kimmerling sehe Israel auf dem Weg in den Faschismus, falls es mit dem Abbau der demokratischen Grundpfeiler wie bisher weiter gehe. Wie Senfft ausführt, macht Kimmerling seit der Staatsgründung Israels drei Stufen des "Politizids" aus: Die Vertreibung der Palästinenser aus der Westbank 1948; die Libanon-Invasion 1982; die Zerstörung der palästinensischen Infrastruktur im Rahmen der "Operation Schutzschild" 2002. Nach diesem historischen Teil beschreibe der Autor die Entwicklungen seit der ersten Intifada 1987. Dabei weise er immer wieder auf den fatalen Zusammenhang zwischen den palästinensischen Terrorakten und dem extremen Rechtsruck in Israel hin. "Es ist diesem ebenso unbequemen wie aufrichtigen Buch zu wünschen", resümiert die Rezensentin, "dass Leser es nicht für eigene politische Zwecke missbrauchen werden - weil sie entweder die symbiotische Textur des Konfliktes nicht begriffen haben oder ihn bewusst weiter schüren wollen."

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 01.04.2003

Mit seinem Band "Politizid - Ariel Sharons Krieg gegen das palästinensische Volk" legt Baruch Kimmerling, Professor für Soziologie an der Hebräischen Universität in Jerusalem, nach Ansicht von Rezensent Ludwig Watzal ein "aufrüttelndes Buch" vor, in dem die israelische Politik einer "sehr kritischen", aber "überaus realistischen Analyse" unterzogen wird. Kimmerlings Kritik setzt nach Darstellung Watzals bei Ariel Scharon an, dem er vorwirft, eine Politik des "Politizids" fortzusetzen, mit dem Ziel, "das Ende der Existenz des palästinensischen Volkes als soziale, politische und wirtschaftliche Größe" (Kimmerling) herbeizuführen. Kimmerling analysiere, wie in Israel ein "zweischneidiges Rechtssystem" entstehen konnte. Scharons Ideologie sei für Kimmerling Ausdruck einer Krise, die sich seit dem Beginn der Besatzung aufgebaut habe. Die Brutalität und Rücksichtslosigkeit Scharons, aber auch seine Verschlagenheit und politische Klugheit werden dem Leser eindringlich vor Augen geführt. Insgesamt vermitteln Kimmerlings Ausführungen nach Einschätzung Watzals ein "schonungsloses Israel-Bild", "das gerade manche deutsche Leser als störend empfinden werden". Auch wenn einige Probleme überzeichnet seien, hält Watzal fest, überzeuge Kimmerlings Analyse weitgehend. "Sein Buch", resümiert der Rezensent, "gehört zu den wichtigsten Publikationen über den Nahostkonflikt, die in Deutschland erschienen sind."
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