Marianne Moore

Kein Schwan so schön

25 Gedichte. Amerikanisch-deutsch
Cover: Kein Schwan so schön
Urs Engeler Editor, Basel 2001
ISBN 9783905591309
Kartoniert, 128 Seiten, 14,50 EUR

Klappentext

Ausgewählt und aus dem Amerikanischen übersetzt von Jürgen Brocan, mit einem Aufsatz von Elizabeth Bishop. "Vers: Prosa: ein Muster oder ähnliches von Übersetzung für die, auf denen Vollständigkeit wie ein Fußeisen lastet", schreibt Marianne Moore in ihrem Aufsatz "Vorwort zu einem Marianne Moore Lesebuch", das wir dieser Auswahl ihrer Gedichte vorangestellt haben. Kein Fußeisen der Vollständigkeit also, sondern nach einem ersten Versuch durch Eva Hesse vor 50 Jahren ein neuerlicher Anlauf, Marianne Moore zu übersetzen und dem hiesigen Publikum vorzustellen. "Wie würde es mir vorkommen, wenn es jemand anderes geschrieben hätte?", fragt sie sich... Den Band beschließt der große Essay ihre Dichterkollegin und Freundin Elizabeth Bishop.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.07.2002

Keine leichte Sache sind die Gedichte Marianne Moores, die in den zwanziger Jahren, so die Rezensentin Angela Schader, "eine der prägenden Stimmen der amerikanischen Moderne" war. Keine leichte Sache für den Leser, dem hier, obgleich alles grammatikalisch korrekt zugeht, der Sinn nicht auf den ersten Blick zugänglich gemacht wird - und für den Übersetzer erst recht nicht. Jürgen Brocan aber, der sich an die Übersetzung gewagt hat, schlägt sich, wie die Rezensentin findet, hervorragend. Die (in einem vorangestellten Aufsatz der Dichterin aufgestellte) Forderung nach Treue in Rhythmus und verwendeten Worten verstehe er fast immer zu erfüllen. Ergänzt wird der Band durch einen Essay der Freundin und Schülerin Elizabeth Bishop - und durch ihr Gedicht "Invitation to Miss Marianne Moore", letzteres, so die Rezensentin, eine "Hymne an diese Dichterinnenfreundschaft".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.06.2002

Von britischem Understatement zeugt dieser Ausspruch, den Marianne Moore über die Poesie tätigte: "Es gibt dinge, die wichtiger sind als dieses gefiedel". Und es gibt Autorinnen, die muss ein Rezensent dem Publikum erst vorstellen. Stefan Weidner berichtet: Marianne Moore war gebürtige Amerikanerin (Jahrgang 1887), lebte in England, wo sie 1972 starb, soll ziemlich puritanisch und schrullig gewesen sein, denn am liebsten schrieb sie über Schnecken und anderes, möglichst ekliges Kriechgetier, das sie einerseits konkret beschrieb und andererseits allegorisch betrachtete. Ihrer Vorliebe für diese Tiere verdankt sich ein weiterer Spruch über die Poesie: Poesie existiere erst, "wenn imaginäre gärten mit wirklichen kröten" besichtigt werden könnten, heißt es in der Rezension. Die exzentrische Dichterin wurde von Ezra Pound, T.S. Eliot und W.C. Williams hochverehrt, berichtet Weidner, und in Deutschland hat nun ein jüngerer Verehrer, der Lyriker Jürgen Brocan, ihre Gedichte neu übertragen. Die Neuübersetzung liest sich besser, meint Weidner, als die alte Übersetzung von Eva Hesse, weshalb man Brocan nachsehen könne, dass er sich einige dichterische Freiheiten herausgenommen habe. Wahrscheinlich hätten sie der schrulligen Dichterin sogar gefallen. Und wer will, kann das Original daneben halten.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.02.2002

Obschon von Hans Magnus Enzensberger in sein Museum der modernen Poesie aufgenommen, blieb Marianne Moore, eine "große Gestalt der klassischen Moderne Amerikas", hierzulande weithin unbekannt. Mit dem Band "Kein Schwan so schön", der eine Auswahl ihrer Gedichte versammelt, könnte sich das ändern, hofft die Rezensentin Sibylle Cramer. In einer sehr einfühlsamen Besprechung nähert sich Cramer der Poesie Moores und findet Verse, die "Beiträge sind zu jenem aus alter Zeit heraufkommenden Gespräch über Kunst". Sprachlich erscheinen Moores Gedichte nach Cramers Analysen hochartifiziell: "Syllabische Symmetrie bei strophischer Bindung des Gedichts, stufenförmig eingezogenem Zeilenanfang, feinsten Echowirkungen vor allem des Binnenreims und der Assonanzen und einer Vorliebe für Gänsefüßchen, mit denen sie ihre Form der Vielstimmigkeit durchsetzt" sind einige der Kennzeichen von Moores Lyrik, die Cramer hervorhebt. Respekt zollt die Rezensentin auch der Arbeit von Jürgen Brocan, der die Gedichte ausgewählt und übersetzt hat: Brocan komponiere den Auswahlband wie ein Gedicht der Autorin "zu einem längeren Gedankengang über die Kunst".
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