Barbara Frischmuth

Schamanenbaum

Gedichte
Cover: Schamanenbaum
Droschl Verlag, Graz/Wien 2001
ISBN 9783854205685
Gebunden, 110 Seiten, 31,70 EUR

Klappentext

Herausgegeben und mit einem Nachwort von Gerhard Melzer. Die Entstehungszeit dieser Gedichte (1959-1966) ist nahezu identisch mit der Lebenszeit, die Barbara Frischmuth in Graz verbrachte. Sie habe damals nach Menschen gesucht, die wie sie das Schreiben oder die Literatur im Sinn hatten. Es war die eigentliche Inkubationszeit der Schriftstellerin Barbara Frischmuth. Die Gedichte zeugen davon. Sie enthalten im Keim viele Themen und Motive, die Frischmuth nach und nach erzählerisch entfaltet hat, und lassen sich aus heutiger Sicht als frühes Konzentrat ihres Lebenswerkes lesen. Frischmuths Lyrik ist bislang nur verstreut publiziert worden. Der vorliegende Band stellt diese Facette ihres Schaffens erstmals in Buchform vor, ausschließlich mit Gedichten, die bisher überhaupt noch nicht veröffentlicht wurden.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.09.2001

Angelika Overath weiß in ihrer langen Besprechung über den neuen Roman und den Gedichtband der österreichischen Schriftstellerin Barbara Frischmuth nur Positives zu berichten. Endlich, freut sich die Rezensentin, schreibt mal eine deutschsprachige Schriftstellerin ganz leicht über schwere Themen, anstatt sich in trockenen Problembeschreibungen zu ergehen.
1) Barbara Frischmuth: "Die Entschlüsselung"
Der Roman über die Entschlüsselung eines gut 500 Jahre alten Briefwechsels zwischen der Benediktineräbtissin Wendlgard und dem türkischen Dichter Nesimi ist "spannend, lehrreich, witzig, intelligent", voll "sinnlicher Poesie und gut pointierter philosophischer Zwiegespräche", lobt die Rezensentin. In ihre Geschichte habe die Autorin Slapstickszenen, Traumprotokolle, surreale Visionen und Alltagsbeobachtungen hineingebettet und führe den Leser gleichsam wie in einem minuziös recherchierten Krimi auf eine Reise in die Steiermark, in die Gegenwart, die Nazi-Vergangenheit, das Mittelalter, in die mythische Vorzeit der Druiden. Dabei bleibe der Leser stets auf der Spur der Protagonisten - ein Tross von österreichischen, amerikanischen und türkischen Wissenschaftlern - allerdings, das findet Overath aber nicht weiter schlimm, erfährt er auch immer erst als Letzter, was die entschlüsselungswütigen Forscher über die Benediktinerin und den Dichter herausgefunden haben.
2) Barbara Frischmuth: "Schamanenbaum"
Die allgegenwärtigen Motive der Autorin - kulturelle Vielfalt, Christentum, Häresie im Islam, starke Frauen - hat die Rezensentin auch in ihren Gedichten entdeckt. Die sind aus den frühen sechziger Jahren und stark von der einstigen Klosterschülerin Frischmuth geprägt, denkt Overath. In ihren mutigen, entschiedenen, oft sehr schönen Versen offenbare sich die Metamorphose der Lyrikerin hin zur Leichtigkeit der Prosaautorin. Für Overath scheint die parallele Lektüre von Roman und Gedichtband zu einem besseren Verständnis der Werke Frischmuths z führen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.07.2001

Jan Wagner ist sowohl von der Aufmachung als auch von dem Inhalt des Gedichtbandes begeistert, der vor allem frühe Gedichte der Autorin enthält, die entweder noch gar nicht oder nur verstreut publiziert wurden. Ihm fällt auf, dass sich in der frühen Lyrik besonders die "Freude an der Sprache" artikuliert, was sich in Wortneuschöpfungen und Wortspielen zeigt. Dabei beeindrucken Wagner vor allem die "Intensität der Farbgebung" und der "Eindruck ungehemmter Sinnlichkeit", wenn er auch die Gefahr sieht, dass sich die Autorin mitunter "in sich selbst verliert". Bei den Gedichten, die sich mit dem Islam bzw. mit der Türkei beschäftigen fasziniert ihn besonders die "kritisch-analytische" Haltung Frischmuths, die, wie er lobend hervorhebt, dennoch nie zur reinen "Tendenzdichtung" wird.
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