"Auch eine Prophetin fällt nicht vom Himmel." Barbara Beuys sucht die historische Hildegard von Bingen hinter den Mythen und Legenden, die sich um diese Frau ranken. Entstanden ist dabei eine Biografie für alle, die wissen möchten, was Hildegard von Bingen wirklich gesagt, getan und gedacht hat, und was sie bewirken konnte: damals wie heute.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 02.05.2002
Über Hildegard von Bingen ist viel geschrieben worden, und anläßlich ihres 900. Geburtstagstags im Jahre 1998 kamen viele Neuerscheinungen heraus, die als eine Art kritische Bestandsaufnahme zu dem bisher Erschienenen zu werten sind, weiß die Rezensentin Bea Lundt. Dennoch hält sie das "populärwissenschaftliche Buch" von Barbara Beuys für wichtig, da es, wie sie erläutert, das Leben des "Multitalents" Hildegard stark in den historischen Kontext rücke, ein Aspekt, der in bisherigen Publikationen eher vernachlässigt worden sei. Bei Beuys erfahre der Leser einiges über die gesellschaftlichen Bewegungen der Zeit und wie das Wirken Hildegards in diesem Kontext zu bewerten sei. Die Rezensentin macht darauf aufmerksam, dass die Autorin die vom Papst offiziell als Prophetin und von ihrer zahlreichen Anhängerschaft bis in die heutigen Tage beinahe als "Volksheilige" Verehrte eher konservativ gewesen sei, was in vielen Lebensbereichen, zum Beispiel in ihrem strengen Regiment als Äbtissin, deutlich werde. Vielleicht mag diese Bewertung Hildegards von Bingen auch etwas einseitig sein, gibt Lundt zu bedenken. Insgesamt sieht sie in dem Buch von Beuys jedoch "die verdienstvolle Realisierung einer populären sozialgeschichtlichen Präsentation einer 'großen' Frauengestalt in ihrer Zeit".
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 13.12.2001
In einer kurzen und sehr sachlichen Besprechung bedankt sich Rezensent Norbert H. Ott bei der Autorin Beuys, dass sie Person und Werk der ersten Theologin des Christentums endlich einem breiterem Publikum zugänglich gemacht hat. Denn bisher, klagt Ott, sei Hildegard von Bingen in der populären Literatur von Mystik, Esoterik und Feminismus derart vereinnahmt worden, dass ihr Bild nahezu unkenntlich geworden sei. Die Klarstellung war Otts Meinung nach überfällig. Lob also der Autorin: "Barbara Beuys, die schon öfter bewiesen hat, wie brillant sie die schwierige Kunst beherrscht, historisch Komplexes gleichermaßen differenziert wie eingängig zu vermitteln, hat diese Aufgabe souverän gemeistert."
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