Barbara Beßlich

Faszination des Verfalls

Thomas Mann und Oswald Spengler
Akademie Verlag, Berlin 2002
ISBN 9783050037738
Gebunden, 170 Seiten, 39,80 EUR

Klappentext

1918 erschien Oswald Spenglers Untergang des Abendlandes und war eine literarische Sensation. Das Ende des Kaiserreiches und die Kriegsniederlage schienen für viele Deutsche Spenglers kulturgeschichtliche Apokalyptik zu bestätigen. Die zeitgenössische Wirkung Spenglers war enorm und ist bis heute kaum erforscht. Barbara Beßlich rekonstruiert in ihrer Monographie die Spengler-Rezeption Thomas Manns. Mit bisher unveröffentlichten Quellen aus dem Thomas Mann-Archiv (Zürich) zeichnet sie nach, wie Thomas Mann Spengler verstanden hat, mit wem er in München 1919/20 über den Untergang des Abendlandes diskutierte und wie Spengler Eingang in Thomas Manns Werk fand.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.01.2003

Oswald Spenglers kulturpolitische Apokalyptik, die er in seinem "Untergang des Abendlandes", verkündete, übte auf die Zeitgenossen eine starke, oft ambivalente Faszination aus. In ihrer Studie "Faszination des Verfalls - Thomas Mann und Oswald Spengler" geht Barbara Besslich der Spengler-Rezeption Thomas Manns auf den Grund. Dabei kann sie nach Darstellung des "lx" zeichnenden Rezensenten zeigen, dass sich auch Thomas Mann der Faszination Spenglers nicht entziehen konnte - anders als die üblicherweise zitierten, abfälligen Äußerungen Manns über Spengler aus der Zeit zwischen 1922 und 1947 vermuten lassen. Noch 1919/20 sei er - das zeigen unter anderem die Randnotate in Manns Exemplar des ersten Bandes vom "Untergang des Abendlandes" - Spenglerianer gewesen, hält der Rezensent ein Ergebnis von Besslichs Studie fest. Zudem weise Besslich darauf hin, dass Thomas Mann Spenglers "Untergang" weiterhin als großes und bedeutendes Werk schätzte und auch nach 1945 bekannte, dass er Spenglers Werk trotz dessen politischer Fragwürdigkeit zu den literarisch faszinierendsten politischen Analysen zähle.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.01.2003

Barbara Beßlichs Studie untersucht nicht nur das Verhältnis Thomas Manns zum kulturpessimistischen Philosophen Oswald Spengler ("Der Untergang des Abendlandes"), das sich von beträchtlichem Enthusiasmus in den Jahren 1919 bis 1924 in Skepsis und Ablehnung verwandelte, nicht zuletzt durch den Einfluss sehr Spengler-kritischer Freunde. "Erstmals berücksichtigt" werden Manns Randbemerkungen in seiner Ausgabe des "Abendland"-Buchs, eingehend analysiert werden auch zentrale Figuren des "Zauberbergs", die entweder in der Figurenzeichnung an Spenglers "Cäsaren-Typus" erinnern (wie Peeperkorn) oder in ihren Ansichten beinahe im Originalton Spenglersche Thesen verbreiten (Leo Naphta). Der Rezensent Christian Geyer beschränkt sich aufs Referat, Widersprüche hat er jedenfalls nicht anzumelden.
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