Atiq Rahimi

Verflucht sei Dostojewski

Roman
Cover: Verflucht sei Dostojewski
Ullstein Verlag, Berlin 2012
ISBN 9783550088896
Gebunden, 288 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Lis Künzli. In Kabul tötet ein verarmter junger Mann eine alte Frau. Der ehemalige Jurastudent Rassul hat es auf Schmuck und Geld der Wucherin abgesehen, denn er weiß nicht mehr, wovon er seine Familie ernähren soll. Doch während derTat kommt ihm plötzlich sein Gewissen in die Quere und erinnert ihn an das Schicksal des Mörders Raskolnikow aus Dostojewskis berühmtem Roman "Verbrechen und Strafe". In Panik flieht er und lässt die Beute am Ort des Geschehens zurück. Da niemand die Frau vermisst, ist Rassul fortan allein mit seiner Schuld und wird, wie Dostojewskis Figur, nur von seinem Gewissen verfolgt. Im Afghanistan der Taliban findet sich jedoch kein Richter mehr, der ihn für den Mord an einer Frau zur Rechenschaft zieht. Rassul irrt durch die Stadt, bis eine burkaverhüllte Gestalt ihn in das zerstörte Gerichtsgebäude lockt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.05.2012

Ist es größenwahnsinnig oder einfach nur eine Werbestrategie, wenn sich der in Afghanistan geborene und seit1984 in Frankreich lebende Autor und Filmemacher Atiq Rahimi Dostojewskis "Schuld und Sühne" als Vorlage wählt? Rezensentin Sabine Berking findet das ambitionierte Projekt des Autors, der seine Raskolnikow-Adaption ins Afghanistan der 90er Jahre verlegt, offensichtlich gelungen. Bei Rahimi geschieht der Mord, der den Protagonisten umtreibt, keineswegs aus Übermensch-Phantasien, die sein russisches Vorbild umtreibt, sondern um seine Verlobte aus den Fängen einer Wucherin und Zuhälterin und seine Familie aus der Armut zu befreien, erfahren wir. Als er sich schließlich stellt, weil er mit der Schuld nicht leben kann, wird ihm klar gemacht, dass im verwüsteten Afghanistan kein Hahn nach einer ermordeten Alten kräht. Das Ende ist zwar - wie beim Vorbild, so Berking - eher "ephemer". Trotzdem zeigt sie sich insgesamt sehr beeindruckt von Rahimis philosophisch-psychologischem Bild eines "geschundenen, zerrissenen" Afghanistan, das nach Meinung der Rezensentin "überall" sein kann.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.04.2012

Nicht weniger als die alte Frage nach der Macht der Fiktion über die Realität sieht Matthias Waha mit diesem, Dostojewskis "Verbrechen und Strafe" variierenden Roman Atiq Rahimis angerissen. Indem der Autor seine um Fragen universeller Gerechtigkeit kreisende Handlung ins postsowjetische Afghanistan verlegt, wagt er laut Waha zwar einen nicht zu gewinnenden Vergleich mit dem großen Russen, schafft zugleich jedoch etwas ganz Eigenständiges von für Waha herausragender literarischer Qualität. Besonders hat es ihm die zwischen Erzähler-Über-Ich und literarischem Aufpasser changierende Erzählerstimme angetan. Was Dostojewski betrifft, so ist der Rezensent am Ende wie der Autor davon überzeugt, dass man ihn in Afghanistan lesen sollte - als Stimme der Hoffnung.
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