Aus dem Französischen von Beate Thill. Die "Frau ohne Begräbnis", das ist Zoulikha, die einst Wand an Wand mit Assia Djebars Familie in Cherchell wohnte. In aller Stille knüpfte sie unter den Frauen der Stadt ein Netz des Widerstands gegen die französische Herrschaft, floh 1957 in die Berge, wurde von der Kolonialarmee gefasst und verschwand spurlos. Diese außergewöhnliche, freimütige, lebenslustige und gebildete Frau ist in ihrer sprühenden Lebenskraft gegenwärtig geblieben bei allen, die um sie waren. Ihre beiden Töchter, Madame Lionne, die Wahrsagerin, Nachbarinnen und Weggefährten lassen sie mit ihren Stimmen wieder aufleben, gewinnen dadurch selbst neue Kraft und treten aus dem Schatten. Und die Erzählerin selbst - sie findet endlich den Mut, sich dieser Gestalt zu nähern und den Raum ihrer Kindheit wieder zu entdecken.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 17.07.2003
Heinz Hug stellt zunächst die Frage ob es überhaupt "noch möglich" ist, "Heldenromane" über Figuren des 20. Jahrhunderts zu schreiben, um dann erleichtert zu bemerken, dass Assia Djebars Biografie einer algerischen Widerstandskämpferin während des Unabhängigkeitskrieges eben keiner ist. Die Lebensgeschichte von Zoulikha, die ihre Kinder zurückließ und bis zu ihrer Verhaftung und Ermordung gegen die französischen Besatzer Algeriens kämpfte, wird hauptsächlich von ihren Töchtern, Verwandten und Freunden erzählt, durchbrochen von fiktiven Monologen Zoulikhas, fasst der Rezensent zusammen. Durch dieses vielstimmige, "distanzlose Erzählen" komme die Autorin gar nicht in die Gefahr, die Protagonistin als Heldin zu stilisieren, so Hug erleichtert. Vielmehr wird die "Trauer" der Angehörigen, die Schwierigkeiten der Erinnerung und nicht zuletzt die "Reflexion über das Schreiben" zum Thema des Buches, meint der Rezensent, der diese Erinnerungen als "äußerst anschaulich" lobt. Er würdigt das Buch als "sehr privates Denkmal", nicht nur für Zoulikha, sondern für alle algerischen Frauen, die im Unabhängigkeitskrieg gekämpft haben.
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