Seyla Benhabib

Kosmopolitismus und Demokratie

Eine Debatte mit Bonnie Honig, Jeremy Waldron und Will Kymlicka
Cover: Kosmopolitismus und Demokratie
Campus Verlag, Frankfurt am Main 2008
ISBN 9783593386409
Kartoniert, 230 Seiten, 21,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Thomas Atzert. In ihrem Beitrag zur renommierten Vorlesungsreihe der Tanner Lectures beschäftigt sich Seyla Benhabib mit der Spannung zwischen universellen Menschenrechten und dem jeweils nur beschränkt gültigen Gesetz demokratischer Staaten. Mit Blick auf legale und illegale Immigranten, die in Staaten leben, von deren Gemeinwesen sie jedoch häufig ausgeschlossen sind, fragt sie, ob diese nicht eigentlich durch Menschenrechtsprinzipien geschützt sein müssten, die über der Gesetzgebung einzelner Staaten stünden. Die Versöhnung beider Prinzipien bestehe darin, so Benhabib, universelle Normen nach und nach in die Gesetzgebung von Demokratien einfließen zu lassen. Eine universelle Geltung solch kosmopolitischer Normen jenseits demokratischer Rechtssysteme im Sinne eines Weltstaatsmodells sei hingegen nicht denkbar. Ergänzt und kritisch diskutiert werden ihre Thesen von Bonnie Honig, Jeremy Waldron und Will Kymlicka.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.04.2009

Den Konflikt zwischen globalen Gerechtigkeitsnormen und dem demokratischen Selbstverständnis einzelner Völker und Staaten findet Nikolaus German einer Studie wert. Aufmerksam folgt der Rezensent der Autorin Seyla Benhabib zu den philosophischen Grundlagen kosmopolitischer Normen bei Jaspers, Arendt, Habermas und vor allem bei Kant. Wenn sich die Politikwissenschaftlerin Benhabib beim Versuch, die verschiedenen Standards und Normen zu vereinen, theoretisch auf Kant bezieht, scheint German jedoch nicht überzeugt. Kants scharfe analytische Begriffstrennung betreffend die verschiedenen Bürgerrechte vermisst er bei der normativ verfahrenden Autorin.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 29.01.2009

Kämpferisch, interessant und auf beeindruckende Kenntnis der Rechtslage in den USA und Westeuropa begründet findet Rezensentin Hilal Sezgin diesen Band der in de USA lebenden und lehrenden Professorin für politische Philosophie. Der Band versammele Seyla Benhabibs "Tanner Lectures" aus dem Jahr 2004 zu Fragen der Dialektik von Inklusion und Exklusion klassischer Nationalstaaten im Zeitalter von Globalisierung und Migration. Die Rezensentin ist beeindruckt vom Plädoyer dieser Vorlesungen für die ?Rechte der Anderen?, wie ein zweiter, nun erschienener Band der türkisch-jüdisch-amerikanischen Philosophin heißt, der aus Sicht der Rezensentin in die Grundlagen von Benhabibs Umgang mit diesem Komplex einführt, den diese Vorträge unter spezifischen Aspekten beleuchten. Lobend wird auch die Kommentierung hervorgehoben.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.10.2008

Von der Warte der im Migrationsdiskurs bisher vernachlässigten politischen Philosophie aus untersucht die in Yale lehrende türkisch-amerikanische Politikwissenschaftlerin Seyla Benhabib die "analytischen und normativen Defizite" die zur Ausgrenzung von Migranten führen, so Robin Celikates. Dabei stellt das nicht lösbare "Paradox demokratischer Legitimität" die größte Herausforderung an demokratische und liberale Gesellschaften dar. Dies besagt auf praktischer Ebene: "Wer Mitglied in einer politischen Gemeinschaft sein oder werden soll, kann nur von denjenigen entschieden werden, die bereits Mitglieder sind". Normativ wird demnach der Selbstbestimmungsanspruch erfüllt, erläutert Celikates, faktisch jedoch lassen sich damit Privilegien gegenüber den Nicht-Mitgliedern verteidigen. Benhabib schlägt unter anderem eine "Pluralisierung nach innen" vor, die die Gleichsetzung von "politischer und ethnischer Gemeinschaft" aufhebt, auf globaler Ebene bedeute dies eine kosmopolitische Zivilgesellschaft. Letztlich geht es Benhabib darum, das Paradox als Verwirklichung von Selbstbestimmung und Menschenrechten als ein fortschreitendes, immer wieder zu hinterfragendes Projekt einer gerechteren Gesellschaft zu begreifen, so der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.08.2008

Als "konzis", also prägnant auf den Punkt gebracht lobt Rezensent Rudolf Walther dieses Buch der in Yale lehrenden türkischen Philosophin und Professorin für politische Theorie, Seyla Benhabib. Darin geht es seinen Informationen zufolge darum, "den Status universalistischer Normen" wie sie beispielsweise die Menschenrechte oder das Weltbürgertum darstellen würden, gegenüber nationalstaatlichen Regelungen auszudifferenzieren. Unter anderem durch eine gedankliche Trennung zwischen dem ethnischen Volk und dem bürgerschaftlichen Souverän. Aber auch Benhabibs Konzept der demokratischen Iteration leuchtet ihm sehr ein, das er besonders hellsichtig am Kopftuchstreit abgehandelt fand. Zu den Qualitätsmerkmalen der deutschen Edition zählt für ihn auch die kritische Kommentierung ihrer Thesen durch die Politikwissenschaftlerin Bonnie Honig sowie die Philosophen Jeremy Waldron und Will Kymlicka.

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