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Arthur Schnitzler

Lieutenant Gustl

Historisch-kritische Ausgabe
Cover: Lieutenant Gustl
Walter de Gruyter Verlag, Berlin 2011
ISBN 9783110227574
Gebunden, 578 Seiten, 299,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Konstanze Fliedl. Vom Werk Arthur Schnitzlers existiert bislang keine kritische Ausgabe. Der vorliegende Band bietet das Faksimile des Manuskripts, eine präzise Transkription und einen Lesetext. Der Text wird erschlossen durch editorische Apparate, einen literaturwissenschaftlichen Kommentar sowie einen ausführlichen Editionsbericht. Die Ausgabe erlaubt erstmals Einblicke in die Werkgenese und den geistigen Schaffensprozess. Leutnant Gustl ist eine höchst innovative Novelle, die den inneren Monolog eines Leutnants der k. u. k. Monarchie schildert, der um den Ehrenkodex der Armee kreist und implizit die Werte des kaiserlich-österreichischen Militärs und seines Gesellschaftsbildes kritisiert. Pluspunkte: Erste historisch-kritische Edition des Leutnant Gustl schließt das Faksimile des Manuskripts ein. Mit umfangreichem literaturwissenschaftlichen Kommentar.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.12.2011

Konstanze Fliedl, Herausgeberin dieser Schnitzler-Edition, antwortet in der NZZ auf die Kritik von Hans-Albrecht Koch, ebenfalls in der NZZ, vom 10.12.: "Das Schöne an einer Faskimileausgabe ist, dass der Leser die angebotene Transkription selbst überprüfen kann. Das Unschöne an einer Kritik kann sein, dass sie für den Leser vollkommen unüberprüfbare Behauptungen zur Qualität von Ausgaben aufstellt." Fliedl macht dann kurz, aber doch auf Einzelheiten eingehend klar, warum sie die Kritik ungerecht findet.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.12.2011

Die neue von Konstanze Fliedl bearbeitete Edition von Arthur Schnitzlers Novelle "Lieutenant Gustl" erscheint Hans-Albrecht Koch weniger "historisch-kritisch" als die Wiener Germanistin verspricht. Im Grunde genommen sollte der Leser das schöne und nützliche Bildmaterial, die fotografischen Reproduktionen von Schnitzlers Manuskript auf der linken Seite der Edition dazu nutzen, selbst einen textkritischen Apparat zu erstellen, rät der Rezensent, der kein gutes Haar an Fliedls Arbeit lässt. Um nur einige seiner Kritikpunkte zu nennen: Koch vermisst etwa eine Entstehungsgeschichte der Novelle, die beispielsweise daraufhinweise, dass Schnitzler die hier erstmals in Deutschland verwendete Technik des inneren Monologs von dem französischen Autor Edouard Dujardin übernommen habe. Auch mit Fliedls Transkription geht der Kritiker hart ins Gericht und bemängelt etwa zahlreiche Verlesungen und unkorrigierte Stellen. Der Kommentar erscheint dem Rezensenten so "ärgerlich", dass er sich bei verschiedenen Erklärungen - etwa für "Wiener Melange" oder "Stephanskirche" - fragt, wie wenig "geistigen Tiefgang" Fliedl den Lesern unterstelle.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.10.2011

Mit großem philologischen Vergnügen hat Lorenzo Bellettini diesen ersten Band der historisch-kritischen Schnitzler-Edition gelesen, der die Entstehung der Novelle "Lieutenant Gustl" genauestens nachvollziehen lässt. Die Novelle ist ganz im inneren Monolog des durch und durch kakanischen Offiziers Gustl verfasst, der sich nach der Beleidigung durch einen Bäcker das Leben nehmen will, da er den nicht-satisfaktionsfähigen Mann nicht zum Duell fordern kann. Besonders interessant findet Bellettini die Veränderungen, die Schnitzler zwischen der handschriftlichen Fassung und der Druckfassung vorgenommen hat. Sichtbar wurde ihm einerseits die verstärkte Verwendung von Austrizismen, andererseits die Abmilderung von skandalträchtiger Derbheiten. Aus der "Hure" wurde eine "Person", am Anfang war sie "ganz nackt", dann "halbnackt", schließlich nur noch "nackt". Auch verfolgte der Rezensent gespannt, wie Schnitzler hier die Technik des inneren Monologs perfektionierte. Die Arbeit der Herausgeberin lobt Bellettini ebenfalls, einige entstehungsgeschichtliche Bemerkungen vermisst er zwar, aber vor ihrer Fähigkeit, Schnitzlers Kurrent-Schrift zu dechiffrieren, kann er nur den Hut ziehen.
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