Lena Schätte: Das Schwarz an den Händen meines VatersMotte wird sie von ihrem Vater genannt. Eigentlich hat sie sogar zwei Väter: den einen, der schnell rennen kann und sich auf alle Fragen eine Antwort ausdenkt. Und den anderen,…

Die neue von Konstanze Fliedl bearbeitete Edition von Arthur Schnitzlers Novelle "Lieutenant Gustl" erscheint Hans-Albrecht Koch weniger "historisch-kritisch" als die Wiener Germanistin verspricht. Im Grunde genommen sollte der Leser das schöne und nützliche Bildmaterial, die fotografischen Reproduktionen von Schnitzlers Manuskript auf der linken Seite der Edition dazu nutzen, selbst einen textkritischen Apparat zu erstellen, rät der Rezensent, der kein gutes Haar an Fliedls Arbeit lässt. Um nur einige seiner Kritikpunkte zu nennen: Koch vermisst etwa eine Entstehungsgeschichte der Novelle, die beispielsweise daraufhinweise, dass Schnitzler die hier erstmals in Deutschland verwendete Technik des inneren Monologs von dem französischen Autor Edouard Dujardin übernommen habe. Auch mit Fliedls Transkription geht der Kritiker hart ins Gericht und bemängelt etwa zahlreiche Verlesungen und unkorrigierte Stellen. Der Kommentar erscheint dem Rezensenten so "ärgerlich", dass er sich bei verschiedenen Erklärungen - etwa für "Wiener Melange" oder "Stephanskirche" - fragt, wie wenig "geistigen Tiefgang" Fliedl den Lesern unterstelle.