Die Friedensverträge von Saint-Germain und Trianon besiegelten die Auflösung der Habsburgermonarchie und legten völkerrechtlich die neuen Grenzen zwischen den Nachfolgestaaten fest. Die Siegermächte behandelten Österreich und Ungarn auf der Pariser Friedenskonferenz als Verliererstaaten und zwangen ihnen schwere territoriale, finanzielle, wirtschaftliche, militärische und kulturelle Verluste auf. Nur etwa zwei Drittel der (Deutsch-)Österreicher und Magyaren verblieben im jeweiligen Nationalstaat, jeweils ein Drittel wurden neue nationale Minderheiten in anderen Nachfolgestaaten. Diese unausgewogene Friedensordnung überstand daher keine zwanzig Jahre.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.01.2020
Eine höchst verwickelte Geschichte war das, die Entstehung der zentraleuropäischen Grenzen nach dem 1. Weltkrieg, so führt uns Rezensent Andreas Oplatka und so führt ihm Arnold Suppan ein weiteres Mal vor. Entscheidend zum Verständnis scheint dabei, die Stränge völkerrechtlicher Argumentation - etwa das Recht auf nationale Selbstbestimmung - von denen imperialer Interessen der Siegermächte, besonders Großbritanniens und Frankreichs, erfolgreich zu trennen, wie Suppan es macht, lobt der Kritiker. Er preist Detailreichtum und Überblick des Historikers, die er in der Beschreibung sowohl der internen als auch der außenpolitischen Gemengelage bei der Aufteilung der alten Donaumonarchie zeigt. Waren die Ergebnisse der Pariser Konferenz der notwendige Auftakt zum Zweiten Weltkrieg? Suppan vermeidet es, "mit der ihm eigenen Sorgfalt und Genauigkeit", diese These zu bejahen. Aber er legt immerhin Fakten vor, die stark auf diesen Zusammenhang verwiesen, so der beeindruckte Rezensent.
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