Rabenschwarz, vogelfrei und nah am Schicksal sind die neuen Gedichte von Arne Rautenberg. Auf Höhe der Schneeglöckchen kreuzen sie den Gang durchs Leben - und stürzen ab: Geisterwelten tun sich auf, grinsende Fratzen. Die Schönheit von Feldlerchen und Rohrdommeln trifft jählings auf Picasso, Munch und Emily Dickinson. Gegen das Gefühl, verloren zu gehen im Großen, das diese Welt schon immer scheitern ließ, setzt Rautenberg leuchtende Zeichen: das Klein-Klein unseres Alltags und die Widerhaken des Abseitigen. Es sind Zerstörungs- und Erlösungsgedanken, dämonische Tiefen und tröstliche Nähen, die das Menschsein in der Schwebe halten. Formal sind die Gedichte in "permafrost" zwischen Kurz- und Langgedicht angesiedelt, zwischen gereimt und ungereimt, zwischen Zuchtrose und Wildkraut. Arne Rautenberg sagt: "Wir müssen Gedichte wieder als das wahrnehmen, was sie sind: charmante, auch leicht wahnsinnige Verführungen zum Denken. Ein Blitzschlag mit offenem Ende, widerspenstig, wehrhaft und schön!"
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.01.2020
Rezensent Kurt Drawert scheint zunächst erleichtert über die Kleinschreibung, die fehlende Interpunktion und den Verzicht auf den "Kopftstand der Signifikanten" in den Gedichten von Arne Rautenberg und preist ihren "Charme der Beiläufigkeit". Dass die Texte mal zentriert, mal rechtsbündig angeordnet sind oder in Schlangenlinien übers Papier tänzeln, erinnert ihn daran, dass der Autor auch bildender Künstler ist. Meist hält Rautenberg laut Drawert die Balance zwischen "poetischer Einfachheit" und "ontologischer Tiefe", aber mitunter überdreht er auch die Intention der Texte ins banal Komische, merkt der Rezensent. Oder muss er nur um die Ecke denken? Ganz sicher ist sich Drawert nicht.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 16.08.2019
Rezensentin Sieglinde Geisel bekommt von Arne Rautenberg keine politische "Klimalyrik", sondern kluge, spielerische Gedichte über das "Werden und Vergehen". Die Kritikerin schaut in den Gedichten, die permanent kleingeschrieben sind und auf Interpunktion verzichten, in manche "Blackbox", entdeckt allerlei "Überraschungen" und kann nicht immer sagen, wohin Rautenberg sie führen möchte. Macht aber nichts, meint sie: "Denkprozesse" regt diese Lyrik nämlich in jedem Fall an, schließt sie.
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