Herausgegeben und kommentiert von Jürgen Rathje. Der neunte und letzte Teil des "Irdischen Vergnügens in Gott" wurde posthum aus Brockes' Nachlass herausgegeben. Er umfasst Brockes' Gedicht-Zyklen der "Betrachtungen über die drei Reiche der Natur", danach eine Anzahl hinterlassener Gedichte in der Art des "Irdischen Vergnügens in Gott" und eine größere Anzahl von Epigrammen. Der bereits 1747 im Einzeldruck erschienene Anhang einer "Anleitung zum vergnügten und gelassenen Sterben" nach Alphonse Antonio de Sarasa beschließt den Band. Bei der "Harmonischen Himmels-Lust im Irdischen" handelt es sich um Brockes' gesammeltes Kantatenwerk. Die Sammlung umfasst neben zwölf Liedern vor allem 48 Kantaten, darunter gänzlich neue und einige dem "Irdischen Vergnügen" ungekürzt entnommene. Die meisten aber sind aus unterschiedlichen Texten des "Irdischen Vergnügens" zusammengestellte kurze musikalische Gedichte. Diese in erster Auflage schon 1741 erschienene Sammlung lässt an Brockes' "Landleben in Ritzebüttel" denken, aber auch an James Thomsons "Seasons" oder die "Georgica" Vergils.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.07.2025
Eine editorische Großtat ist nun glücklich zu Ende gebracht worden, freut sich Rezensent Rainer Moritz. Denn nun liegt mit dem abschließenden sechsten Band eine komplette Neuausgabe des von Barthold Heinrich Brockes verfassten, titelgebenden Lyrik-Zyklus vor - wobei, darauf weist Moritz hin, in diesem Abschlussband gar nicht die "Irdische Vergnügen"-Verse dominieren, sondern von Brockes angefertigte lyrische Bearbeitungen wissenschaftlicher und philosophischer Arbeiten anderer Autoren, darunter Mathematiker und Naturforscher. Freilich zeigt sich die außergewöhnliche Qualität des Schaffens Brockes' laut Moritz nicht nur in dessen eigenen Gedichten, sondern eben auch in seinen Adaptionen fremder Texte. Stets geht es bei diesem Autor, beschreibt der Rezensent, darum, die Natur zu beobachten und in ihr Anlass zum Lob Gottes zu finden, das betrifft Pflanzen ebenso wie Tiere, aber auch Genussmittel wie Alkohol und Tabak. Allerdings warnt Moritz davor, Brockes in eine Reihe zu stellen mit den Naturlyrikern der Romantik, deren subjektivistische Emphase er keineswegs teilt. Das Fazit: ein reichhaltiges Buch zum Versinken.
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