Wer heute die Gesellschaft zu beschreiben versucht, stößt auf ein grundlegendes Problem: Die alten Grenzziehungen funktionieren nicht mehr. Früher war man rechts oder links, progressiv oder konservativ, liberal oder sozialdemokratisch. In diesen Containern ließen sich alle Probleme vortrefflich lösen. Aber vor der Komplexität unserer Welt muss solch eindimensionales Denken kapitulieren und sich entweder in moralischen Appellen verlieren oder immer schon wissen, was richtig ist. Die Alternative ist ein neues vernetztes Denken, das mit Instabilität rechnet und Abweichungen liebt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 16.09.2015
Zwar betrachtet der bekannte Politologe Claus Leggewie die Thesen Nassehis kritisch, das hindert ihn aber nicht, das Buch als sehr anregend weiter zu empfehlen. Für Leggewie ist nach der Lektüre noch deutlicher, dass das Begriffspaar "Links -Rechts" in der politischen Auseinandersetzung erhalten bleiben sollte, unter anderem, um komplexe politische Fragen auf "handhabbare parteiförmige Grundmuster" herunter zu brechen. Gerade die von Nassehi beklagte Komplexitätsreduktion stellt sich für Leggewie somit als Vorteil dar. Nassehis Plädoyer für ein "vernetztes Denken" erscheint ihm dagegen als maue Alternative. Am Ende nimmt Leggewie aus Nassehi aber doch Ideen zu eine neuen Beschreibung der politischen Landschaft mit.
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