Antonia S. Byatt

Stern- und Geisterstunden

Erzählungen
Cover: Stern- und Geisterstunden
Die Andere Bibliothek/Eichborn, Frankfurt am Main 2005
ISBN 9783821845524
Gebunden, 340 Seiten, 28,50 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Melanie Walz. Zwei Kinder, die der Weltkrieg in ein abgelegenes Heim verschlagen hat, begegnen im Wald einem Monster; noch ein Menschenalter später rätseln sie, ob diese unvergeßliche, quälende Erscheinung eine Halluzination war oder ein Lindwurm. Der Untermieter einer pensionierten Lehrerin wird von einem Phantom heimgesucht; es ist der verstorbene Sohn seiner Gastgeberin, der im Garten des Hauses leibhaftig vor ihm steht. Eine Frau entdeckt, daß sie allmählich versteinert. Einem Gynäkologen stößt im Keller der Klinik, wo eine Sammlung von musealen Geburtszangen, Prothesen und Föten in Spiritus vor sich hindämmert, eine fatale Liebesgeschichte zu. A.S. Byatt erzählt solche Geschichten mit skrupulöser, quasi photographischer Genauigkeit, aber durch den vertrauten Alltag schleicht sich die Unheimlichkeit uralter Märchen ein.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.08.2005

Mit einer Eloge beginnt Alexandra Kedves ihre Rezension des neuesten Kurzgeschichtenbandes von A. S. Byatt, "Stern- und Geisterstunden". Zugleich sehr klassisch und sehr modern, mit allen erzählerischen Wassern gewaschen und stets auf der Höhe des Diskurses - so sieht die Rezensentin die Autorin. Und in ihren Geschichten wird Byatt diesen hohen Erwartungen, wenn man Kedves glauben darf, gerecht. Grusel, Schauder, Anklänge an Henry James "The Turning of the Screw", Märchenweltliches, Rührendes, das kalte Glitzern medizinischer Faktizität, tote Föten, modernistische Kunstwerke und eine Hommage an die verstorbene Iris Murdoch - all das findet sich in dem Band. Als Generalthema hat die Rezensentin Familienbande und den "Generationenfluss" ausgemacht. Die eher schwachen Momente sind immer dann anzutreffen, stellt Kedves fest, wenn Byatt ihr Handwerk zu reflektieren versucht. Zusammen mit der Autorin stellt die Rezensentin gerne fest, "dass die Zeit des Schreibens über das Schreiben vorbei" ist.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.03.2005

Fasziniert berichtet Burkhard Müller, wie Antonia S. Byatt den Leser in der Unsicherheit des Eingebildeten schweben lässt. Ob es das Monster wirklich gab, das zwei Mädchen in der ersten Geschichte in einem Wald begegnet und ihr ganzes Leben verfolgt, wird nie geklärt. Das wiederum sorgt für Verstörung, und auch für eine gewisse britische Melancholie im Erzählen Byatts. "Alle diese acht Geschichten atmen eine besondere Art von Traurigkeit, die man sich außerhalb Englands gar nicht denken kann." Beeindruckt zeigt sich Müller auch von der Eigenart der Autorin, gerade dann mit dem Erzählen anzufangen, wenn der "Punkt der äußersten Ermattung" erreicht ist und ihm damit die Qualität eines "Todkranken" zu verleihen, "der keine Hoffnung hat".
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