Edward Gibbon

Der Sieg des Islam

Cover: Der Sieg des Islam
Die Andere Bibliothek/Eichborn, Frankfurt am Main 2003
ISBN 9783821845333
Gebunden, 380 Seiten, 27,50 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Johann Sporschil. Edward Gibbon - das war doch dieser Engländer, der das berühmte Werk über den Untergang des Römischen Reiches geschrieben hat? Allerdings. Doch offenbar hat kaum jemand seine 3000 Seiten samt 8000 Fußnoten zu Ende gelesen. Sonst hätte das verehrte Publikum bemerkt, dass Gibbon gegen Ende seiner großen Erzählung einen souveränen Bericht über den Aufstieg dieser Weltreligion, über Mohammeds Leben und Tod, die islamischen Eroberungen auf drei Kontinenten, über das Kalifat, seine Triumphe und Niederlagen verfasst hat. Gibbons Geschichtsphilosophie steht uns heute näher denn je zuvor; denn er glaubt nicht an irgendwelche ehernen historischen Gesetze. Leidenschaften und Zufälle bestimmen in seinen Augen die Evolution der Menschheit.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.06.2003

Ludwig Ammann ist hocherfreut, dass diese zwei Kapitel über den Islam aus Gibbons monumentaler Geschichte des Römischen Reichs wieder in der Übersetzung von 1837 vorliegt. Er lässt seiner Begeisterung dann auch freien Lauf: Seiner Ansicht nach ist das "Hauptwerk" des englischen Historikers "zu Unrecht" in Vergessenheit geraten. Dabei sei dies die "erste unvoreingenommene historiographische Darstellung des Islam von Rang". Ammann zeigt sich äußerst beeindruckt davon, was Gibbon im 18. Jahrhundert schon "wusste und verstand". Er rühmt ihn als "unvergleichlichen Erzähler", der seinen Gegenstand lebendig und dabei dennoch mit "ironischer Distanz" darzustellen weiß. Besonders gut gefällt ihm, wie Gibbon die Fehl- und Vorurteile anderer Historiographen "genüsslich" demontiert und gleichzeitig seine eigenen Urteile über den Islam "provokant in der Schwebe" belässt. Lediglich in der Einschätzung der ästhetischen Errungenschaften der Araber sieht der Rezensent Gibbon "überfordert", hier stoße der Autor "an seine Grenzen".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.05.2003

Für diese Ausgabe hat die Andere Bibliothek zwei Kapitel aus Edward Gibbons "Verfall und Untergang des römischen Reichs" in einer hundertvierzig Jahre alten Übersetzung von Johann Sporschil neu herausgegeben. Rezensent Patrick Bahners nutzt seine lange und kenntnisreiche Besprechung dieser Neuauflage zu einer Auslegung und Erläuterung der Islam-Deutung Gibbons. Der Islam, erfahren wir, kennt nach Gibbon keine "Priesterschaft", und so fällt auf den islamischen Fanatismus dann "das freundliche Licht der 'independence'", schreibt Bahners: diese Religion brauche keine Kirche im Sinne des römischen Katholizismus. Gibbon modelliere so implizit "den Islam nach dem Puritanismus des siebzehnten Jahrhunderts". Und auf der Grundlage der Unabhängigkeit von weltlichem Pomp, des republikanischen Grundwertes, seien so schließlich, in der Deutung Gibbons, im islamischen Raum sehr früh Quasi-Republiken entstanden. Als eine Pointe seiner Besprechung lässt Bahners den Leser dann auch noch an mögliche Folgerungen von Gibbons Parallelisierung von Islam und Puritanismus für die gegenwärtige Lage Amerikas denken: Wie wird die Zukunft des zur Weltmacht gelangten Puritanismus aussehen?
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.03.2003

Rezensent Friedrich Niewöhner zeigt sich hoch erfreut über die Neuerscheinung von Edward Gibbons "Sieg des Islams". Die drei Islam-Kapitel aus seiner "History of the Decline and Fall of the Roman Empire", die Gibbons 1784/1785 verfasst hat, liegen nun mit einem Essay von Reinhard Schulze über "Gibbons Muhammad" in der Mitte des 19. Jahrhunderts von Johann Sporschil angefertigten Übersetzung vor. Die Kapitel, die die islamische Frühgeschichte bis zum Ende des 8. Jahrhunderts behandeln, können nach Ansicht Niewöhner als die erste umfassende Darstellung dieser Periode der islamischen Geschichte in einem europäischen Geschichtswerk angesehen werden. Natürlich sei Gibbons Darstellung des Islam im Detail veraltet, stellt Niewöhner klar. Hier biete der Essay von Schulze wertvolle Hilfe zum Verständnis des Buches. Niewöhner sieht den Verdienst von Gibbons Historiografie darin, dass sie nicht erlaube, den Islam aus einer "gemeinsamen Geschichte" auszuschließen. Sein Fazit: "Gibbon zu lesen ist vergnüglich wie belehrend, er schreibt anschaulich, ironisch und vor allem ohne jede apologetische Tendenz", resümiert der Rezensent, "ein Meisterwerk kann wiederentdeckt werden."
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