Anton Tantner

Die ersten Suchmaschinen

Adressbüros, Fragämter, Intelligenz-Comptoirs
Cover: Die ersten Suchmaschinen
Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2015
ISBN 9783803136541
Gebunden, 176 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Was heute Dating-Apps, Tauschbörsen, Finanzmakler, Jobcenter und Carsharing- Anbieter übernehmen, leistete früher eine einzige Institution: das Adressbüro. Wer im 17. Jahrhundert etwas kaufen oder verkaufen wollte, Arbeit, Wohnung, ein Hausmädchen oder einen Arzt suchte oder zu vermitteln hatte, konnte dort sein Anliegen gegen Gebühr in ein Register eintragen lassen oder Auszüge aus diesem Register erhalten. Anton Tantner schreibt eine Ideengeschichte des Sammelns, Organisierens und Weitergebens von Informationen und Wissen - aus der Perspektive unserer Gegenwart, in der wir ohne Google kaum mehr leben können, social media scheinbar alles und - andererseits - Datenschutz ein zentrales Thema ist.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.05.2015

Steffen Martus hegt die Hoffnung, dass es auch anders zugehen könnte in unserer Gesellschaft, dass nicht Kontrolle und Bedürfniserweckung, wie bei Amazon, Google und Co., im Vordergrund stünden, sondern wirklich Wichtiges. So wie in der Zeit, die der Historiker Anton Tantner dem Rezensenten in Erinnerung ruft, als die ersten Adressbüros und Intelligenzagenturen begannen, Daten zu sammeln und den gesellschaftlichen Verkehr zu regeln. Dass mit den diversen damit verbundenen Erleichterungen immer schon auch Kontrolle einherging, lernt Martus hier, hätte sich vom Autor jedoch etwas mehr Deutungswillen gewünscht um z. B. zu verstehen, was unsere Bedürfnisse, mit bzw. ohne Google zu leben, zu bedeuten haben und was unser digitales Zeitalter von seinen Anfängen unterscheidet.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.04.2015

Vor den Internet-Suchmaschinen gab es Magazine für Kleinanzeigen und die Gelben Seiten. Aber was war davor? Das erfährt Oliver Pfohlmann aus der Studie "Die ersten Suchmaschinen", in der Anton Tantner frühen Versuchen nachspürt, Informationen zentral zu organisieren und zugänglich zu machen. Dass der Autor den modernen Begriff der "Suchmaschine" auf Adressbüros, Fragstuben und Intelligenzagenturen überträgt, hält der Rezensent für so legitim wie sinnvoll, zumal sich durchaus Parallelen zwischen damals und heute finden lassen, die sozialreformerischen Absichten etwa oder das Schwanken zwischen den Polen von Privatheit und Kontrolle. Sehr aufschlussreich findet Pfohlmann das alles und lobt Tantner für seinen "angenehm lebendigen Stil".

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 14.02.2015

Hochaktuell erscheint das Buch des Historikers Anton Tantner dem Rezensenten. Schon weil der Autor sich auf seiner Reise durch die Frühzeit der Suchmaschinen bei Leibniz und Montaigne, in den Adressbüros des 16. Jahrhunderts und den Intelligenzwerken des 18. auch um die schmale Linie zwischen Privatheit und Kontrolle kümmert. Luzide findet Marc Reichwein Tantners Ideengeschichte der Informationsspeicherung und -beschaffung, keine Kulturgeschichte des Wissens, wie Reichwein betont, da sich der Autor um das Alltägliche und die bedarfsbezogene Information mehr schert als um Wissenschaft, vor allem auch wegen ihrer kleinen Kapitelstruktur. So kann der Rezensent rasch von Paris über London nach Bratislava "reisen" und erfahren, wie genau die Vorläufer von Google und Co. jeweils gearbeitet haben.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.01.2015

Was sie waren, die frühen, papierbasierten Suchmaschinen, wie sie funktionierten, aber leider nicht, wieso sie nicht überlebten, erfährt Helmut Mayer in diesem Buch des österreichischen Historikers Anton Tantner. Der Autor nimmt Mayer mit zu den Anfängen der Idee von der Agentur, die Fragen und Anträge von Bürgern beantworten soll, bei Montaigne bis ins frühe 19. Jahrhundert, als Adresscomptoirs, Kundschaftsämter und Intelligenzbüros boomten. Für Mayer eine erstaunliche Wirkungsgeschichte, die ihn nicht zuletzt deshalb so vieles über frühneuzeitliches Stadtleben lehrt, weil der Autor dicht an den Quellen bleibt und die Darstellung so kurzweilig hält, wie Mayer versichert. Über das Ende der Intelligenzagenturen kann Mayer indes nur spekulieren. Spielte der hohe Stellenwert der Anonymität eine Rolle, oder schluckte der Überwachungsstaat in spe die Idee?