Anton M. Fischer

Martin Heidegger - Der gottlose Priester

Psychogramm eines Denkers
Cover: Martin Heidegger - Der gottlose Priester
Rüffer und Rub Sachbuchverlag, Zürich 2008
ISBN 9783907625170
Gebunden, 848 Seiten, 35,50 EUR

Klappentext

Heidegger hat die Welt begeistert und das Denken revolutioniert, indem er die lebendige Existenz des Menschen in den Mittelpunkt gestellt und dem Denken eine ungeheure Macht zugeschrieben hat. Sich selber hat er als Herold der Zeitenwende gesehen, der die abendländische Seinsvergessenheit durchbricht. Um sein Leben ranken sich ein Gewirr von Legenden, Halbwahrheiten und Ganzlügen. Seine Parteinahme für den Nationalsozialismus und sein gescheiterter Versuch, die deutsche Universität ins Neue Reich zu führen, lösen noch heute erregte Debatten aus.Wie ist aus dem autoritätshörigen Priesterkandidaten über Nacht ein radikaler Philosoph geworden? Und wie aus diesem Kritiker philosophischer Elfenbeintürme der Guru einer Seinsreligion, der die Gegenwart in Frage stellt?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.02.2009

Schweres Gerät, dieses Buch. Nicht nur in Gramm misst Dieter Thomä das Gewicht von Anton M. Fischers Heidegger-Biografie. Die Verwirrung, die der paradoxe Untertitel beim Rezensenten stiftet, setzt sich allerdings im Methodischen fort. Heidegger auf der Couch des Psychoanalytikers Fischer - das erscheint Thomä so neu wie fragwürdig. Das Selbstbewusstsein des Autors trägt auch nicht gerade zur leichteren Akzeptanz bei. Heideggers Wirken als Anamnese, als Produkt eines paranoiden Systems aus Schuldgefühlen, Vernichtungsfantasien, Rivalitätszwang und Egoismus? Dabei hatte der Rezensent die psychoanalytische Textinterpretation schon für tot gehalten. Kurios, meint er, und unangenehm dazu, tritt der Autor doch als Alleswisser auf, der Heidegger mit Röntgenblick durchschaut. So verschwindet die Philosophie hinter der Person. Der Rezensent erkennt ein Symptom der Zeit und winkt etwas wehmütig.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.12.2008

Anton M. Fischers Psychogramm des Philosophen Martin Heidegger hat Uwe Justus Wenzel in keiner Weise überzeugt. Nicht nur vermisst er bei dem Autor einen Begriff von Philosophie, sondern auch eine Theorie des Verhältnisses von Psychologie und Philosophie. Die psychoanalytischen Deutungen der Person Heideggers scheinen ihm teils belanglos, teils unhaltbar. Letzteres vor allem da, wo der Autor aus dem Denker einen Psychotiker mit schwerer narzisstischer Störung macht. Das biographische, keineswegs neue Material, das Fischer zusammenträgt, rechtfertigt nach Wenzels Ansicht "solch weitgehende Krankschreibung kaum". Auch die Deutungen von Heideggers Werken findet er nicht haltbar, zumal sie sich zumeist auf dem Niveau "suggestiver Meinungsäußerung" bewegen.