In 34 kurzen Abschnitten zu Fragen wie "Habe ich einen Körper?", "Wie ehrlich soll ich sein?" oder "Ist ein Haus besser als eine Wohnung?" gibt Anton Leist in diesem Buch jeweils eine "kurze" und eine "lange" Antwort - unter Rückgriff auf andere Philosophinnen und Philosophen, aber in einer allgemeinverständlichen Ausdrucksweise. Die säkulare Philosophie äußert sich zum menschlichen Leben kaum in alltagsnaher Weise, und wenn doch, dann meist im Anschluss an die antiken Glückslehren. Solche Beratungen zum guten Leben bleiben gegenüber den modernen, von existenzieller Unruhe getriebenen Menschen jedoch blass, denn für wirklich einschneidende Botschaften fehlt ihnen der dogmatische Hintergrund. Sie versickern deshalb leicht als gut gemeinte Psychologie. Auf der anderen Seite sind Fachphilosophen in ihrer Mehrheit in ein Jenseits der selbsterzeugten Kunstprobleme abgedriftet und haben die philosophischen Themen des Alltags, in der Sprache des Alltags, nachhaltig vergessen. Sich Lebensthemen mit existenziellem Ernst zu nähern, dies aber in einer allgemeinverständlichen Ausdrucksweise - das ist das Anliegen der 'Alltagsphilosophie'. Zu diesen Themen gehören etwa Fragen nach Leben und Tod, Schmerzen und Freude, Liebe und Hass, Bösem und Gutem, Kindern und Eltern, Moral und Glaube, Schönheit und Hässlichkeit, Realität und Illusion, Nahrung und Wohnung, Körper und Geist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.01.2025
Rezensent Uwe Justus Wenzel kommt ins Grübeln mit dem Buch des emeritierten Philosophieprofessors Anton Leist. Leist sucht das kleine Glück, den kleinen Lebenssinn, indem er Fragen stellt ("Wie ehrlich soll ich sein?) und nach Antworten sucht. Wenn Leist zu diesem Zweck eigenes Erkenntnisinteresse und Momente und Theorien aus der Problemgeschichte der Philosophie in gewitzte bis sperrige Lakonik mischt, ahnt Wenzel, dass Vollständigkeit nicht das Ziel ist. Wohldosiert gelesen bietet das Buch laut Wenzel überzeugende alltagsphilosophische Denkstücke.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…