In englischer Sprache. 1078 Polaroid-Fotos von abstraktem blauem Himmel über Konzentrationslagern der Nazis vermitteln einen verstörenden Blick auf ein unfassbares Trauma, das gleichzeitig eine verblassende kollektive Erinnerung ist. Anton Kusters hat sechs Jahre lang recherchiert und ein Stück blauen Himmels über jeder einzelnen Stätte eines früheren Konzentrations- oder Vernichtungslagers des deutschen Naziregimes in Europa fotografiert. Die 1078 Lager existierten 4432 Tage lang, von 1933 bis 1945, als Teil eines hochorganisierten Sytems von Gefangenschaft, Zwangsarbeit und Mord.Von mehr als der Hälfte gibt es keine sichtbaren Überreste mehr. Jedes Polaroid ist von Hand mit der Anzahl der Opfer unter diesem Stück Himmel sowie mit den GPS-Koordinaten blindgeprägt.Für "The Blue Skies Project" wurde der belgische Künstler Anton Kusters (*1974) für den Prix Pictet 2019 nominiert und war Finalist beim Deutsche Börse Photography Foundation Prize 2020. "The Blue Skies Project" wurde von Monica Allende kuratiert und die Ausstellung wird von einem 13 Jahre währenden Hörstück des Klangkünstlers Ruben Samama begleitet.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 09.10.2021
Rezensent Frank Dietschreit versteht die abstrakten, kommentarlosen Polaroids von Anton Kusters, die nichts zeigen als einen Ausschnitt des blauen Himmels über den 1078 Konzentrationslagern der Nazis, als Aufforderung zum Nachdenken über das Geschehene und die eigene Gefühle. Die Fotos scheinen ihm bei aller Gleichförmigkeit des Motivs doch individuell genug, um an das Schicksal des individuellen KZ-Opfers zu erinnern. Kusters Projekt, das ihn zu sämtlichen Haupt- und Nebenlagern führte, dient dem Gedenken, wirkt dem Vergessen und Verdrängen entgegen, erzählt von Leere und Hoffnung, findet der Rezensent.
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