Mit 92 Duotone-Fotos. Der schwedische Fotograf Anders Petersen (*1944) erlangte 1978 durch seine Serie Cafe Lehmitz Bekanntheit, einer Dokumentation über das Tagesgeschäft in dem von Transvestiten und Prostituierten frequentierten Lokal. Seitdem hat Petersen mit seinen Beobachtungen von Menschen am Rand der Gesellschaft seinen eigenen, unverwechselbaren Stil entwickelt: ungeschminkte Gesellschaftsfotografie, die verborgene Aspekte des Menschlichen abbildet. Die Fotografien in frenchkiss sind seit 2005 in Paris, Gap and St. Etienne entstanden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.01.2009
Fasziniert zeigt sich Rezensent Freddy Langer von Anders Petersens Fotoband "frenchkiss". Er würdigt den schwedischen Fotografen als Meister der Sozialreportage. Dessen Arbeit zum "Cafe Lehmitz", einer verrufenen Bar in St. Pauli, wo Petersen in den späten sechziger Jahren Stricher, Prostituierte, Arbeitslose und Alkoholiker porträtierte, zählt für ihn zu den "wichtigsten Fotobänden des zwanzigsten Jahrhunderts". Langer berichtet über weitere Sozialreportagen Petersens, die die Welt der Gefängnisse, Psychiatrien und ein Altenheime dokumentieren. Die jüngste Arbeit des Fotografen, "frenchkiss", ist für Langer dagegen eher ein "optisches Tagebuch", in dem sich "rätselhafte Aufnahmen" - eine Nackte auf einem Balkon, ein Schwarm von Insekten, ein Teller mit Austern, Fußspuren auf einem verschneiten Friedhof - in hartem Schwarzweiß finden. "Jedes Bild", so Langer, "gleicht der Illustration eines düsteren Märchens". Er sieht darin weniger den Blick auf die Schattenseiten der Gesellschaft geworfen, sondern in die Seele des Fotografen Petersen. "Es ist", resümiert der Rezensent, "als sortiere er seine Albträume".
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