Mit 164 Schwarzweiß-Abbildungen. Die Sofortbildfotografietechnik der US-amerikanischen Polaroid Corporation verbreitete sich nach ihrer Markteinführung 1948 weltweit und erregte durch die Jahrzehnte mit zahlreichen Innovationen regelmäßig Aufsehen - eine ihrer Popularität entsprechende Beachtung durch die Kunst- und Fotografiegeschichte wurde dieser "one-step photography" bislang jedoch kaum zuteil. Aus drei Blickwinkeln nimmt die vorliegende Studie daher das Phänomen des in sechzig Sekunden entstehenden Polaroid-Fotos in den Blick: Einleitend rücken die Entwicklung der Technik und ihre spezifischen Gebrauchsweisen in den Fokus, die dann durch einen Blick in die Fotografie-, Wissenschafts- und Designgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts ergänzt werden, aus und in denen die Sofortbildtechnik sich formte und einschrieb. Schließlich wird die Nutzung der Technik und ihrer Sofortbilder im Bereich der Kunst anhand exemplarischer Arbeiten von Robert Heinecken, Andy Warhol, Marcel Duchamp und Cyprien Gaillard analysiert. In dieser umfassenden Zusammenschau werden so nicht nur kulturgeschichtliche und ästhetische Dimensionen des Phänomens Polaroid anschaulich, sondern auch erstmals ihr Zusammenhang mit wissenschaftshistorischen und ökonomischen Entwicklungen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.08.2020
Der hier rezensierende Literaturwissenschaftler Bernd Stiegler kann es kaum glauben, dass bisher noch keine Monografie zum Polaroid erschienen war. Glücklicherweise liegt nun dieses Buch des Kunsthistorikers Dennis Jelonnek vor, freut sich der Kritiker, der hier "kenntnisreich" durch die Geschichte der Fertigbilder geführt wird. Stiegler liest nicht nur, wie geschickt Edwin Land, der Erfinder des Polaroids, die neue Technik als "magisches Bild" vermarktete, sondern staunt auch über Jelonneks "filigrane" Einführung in die technischen Aspekte. Von der Verwendung in der Kunst bei Andy Warhol, Robert Heinecken und Marcel Duchamp liest der Kritiker hier ebenso, wie er vom Gebrauch als Massenmedium erfährt. Dass die typografische Gestaltung den Lesefluss mitunter beeinträchtigt, geht für den Rezensenten angesichts des "anregenden" Textes in Ordnung.
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