Einen Vulkan besteigen
Minimale Geschichten

Piper Verlag, München 2025
ISBN
9783492074049
Gebunden, 288 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Dauernd passiert etwas anderes. Wir verlieben uns, es gibt Missverständnisse, der Vater stirbt, eine Freundin geht. Unser Leben steckt voller Widersprüche und geheimer Zeichen. Aber wie viele Worte braucht es, um dieses Leben zu beschreiben? Es sind Geschichten nahe am Schweigen: Alles ist plötzlich zwangsläufig, die Liebe, die Einsamkeit, die Dinge, natürlich der Tod. Und dann entsteht in der Knappheit das, was uns Menschen ausmacht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.01.2026
Einen Vulkan muss man in jedem Falle vorsichtig besteigen, Schritt für Schritt, lernt Rezensent Patrick Bahners von Annette Pehnts Erzählungen, die in ganz kurzen Sätzen gehalten sind. Sie hat sich selbst auferlegt, den Regeln der einfachen Sprache zu folgen, erklärt Bahners. Dennoch kann sie anhand weniger Worte atmosphärisch viel vermitteln und inhaltliche Schlaglichter auf verschiedenste Möglichkeiten werfen, lobt der Kritiker. So enthüllen ihm vier kurze Sätze über Poster im Kinderzimmer Welten von Vergänglichkeit, Verlust und Erwachsenwerden. Wenn wenig Worte gebraucht werden, ist jedes wichtig, resümiert Bahners seine eindrückliche Leseerfahrung, wie bei einem Vulkan, wo schon die kleinste Bewegung zum Ausbruch führen könne.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 24.09.2025
Rezensent Hans von Trotha ist sehr investiert in das Formexperiment dieser in einfacher Sprache geschriebenen Kurzgeschichtensammlung der vielfach ausgezeichneten Annette Pehnt. In dieser doppelten Reduktion - einfache Sprache auf engem Raum - findet von Trotha eine luftige Komplexität, in der die sprachliche Schlichtheit eine Oberfläche bietet, unter der sich unausgesprochene Geheimnisse entfalten können; eine titeltreue Gratwanderung, die Pehnt fast gänzlich gelingt. Verwirrend findet von Trotha hingegen die Stellen, an denen diese versuchte Verdichtung zu sehr ins Lyrische kippt und dadurch eine überkomplexe Sprechweise verwendet, die das Einfache nahezu vollständig verschluckt. Ein dennoch überzeugendes Sprachstolpern, resümiert der Kritiker.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 01.08.2025
Rezensentin Judith von Sternburg liest Annette Pehnts Geschichten mit Spannung, obwohl oder vielleicht auch gerade weil, die Texte in recht einfacher Sprache geschrieben sind, was damit zu tun hat, dass Pehnt sich an einem Projekt für "Literatur in Einfacher Sprache" orientiert hat. Sternburg schiebt sofort nach, dass die Geschichten inhaltlich alles andere als einfach sind. Sie verzichten zwar auf Perspektivwechsel und Zeitsprünge, geben dem Leser aber allerhand Rätsel auf und sind durchaus beunruhigend. Kinder hauen ab in den Wald, andere Figuren stecken irgendwie in der Klemme. Wie es ausgeht, wird nicht immer klar, meint Sternburg. Pehnt erweist sich einmal mehr als experimentierfreudige Autorin, so die Rezensentin erfreut.