"Denn heute ist der Tag, an dem das Zeitalter des reinen Pop begonnen hat. Das Zeitalter des reinen Kapitalismus. Der reinen Performance. Und Performance kennt keine Beißhemmung und keine Moral. Moral hat eine Erinnerung. Das hier aber ist die reine Zukunft. Und die Zukunft kennt keine Regeln, sie kennt nur Erfolg." Peter Licht stellt sich den Zumutungen des täglichen Lebens, der grundsätzlichen Un-/Okayheit der Welt, den Mini-Katastrophen und Mega-Details. Er entwirft Welterklärungsmodelle und produziert ein langanhaltendes Kopfkino der Realität. Poetisch, grotesk, tiefgründig und liebevoll. Was wir ja wissen: Wo die Realität regiert, hat das Absurde Konjunktur. Alles ist unsicher und ungewiss, nur das eine nicht: Wir werden alle ganz schön viel ausgehalten haben müssen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.11.2025
Gerne schließt sich Rezensent Oliver Jungen den Überlegungen über Kapitalismus, Depression und den Zusammenhang zwischen beiden an, die der Schriftsteller und Musiker in seiner neuesten Textsammlung erprobt. Die grundsätzliche Verbindung zwischen beidem sieht der Kritiker, inmitten des Getümmels aus Zeichnungen, Traumtexten und Minisatiren, die der Band versammelt, in der überraschenden Einsicht, die vom Kapitalismus befeuerte Depression in eine verbindende Energie umzuwandeln. Am eindringlichsten wird dieser Ansatz in den Traumtexten entwickelt, wenn in einem etwa das Gehen als physischer Akt wie auch als Metapher kunstvoll als Motor des Denkens und als Gegenentwurf zum Stillstand der Depression ergründet wird. Dagegen liefern die Minisatiren zwar pointierte Dialoge, münden aber allzu oft in flache Pointen, bemängelt der Kritiker. Dafür kann die Schlussrede über die Körperlichkeit und das politische Befreiungspotential der Musik Jungen vollends überzeugen.
Ein mit Abstrichen schönes Leseerlebnis beschert PeterLicht Rezensent Ralph Gerstenberg. Die hier versammelten Texte des Musikers und Autors drehen sich wie von PeterLicht gewohnt um Alltagsbeobachtungen, in denen große gesellschaftliche Fragen aufscheinen, beschreibt Gerstenberg, Introspektion verbindet sich hier mit einem Sinn fürs Absurde, aber auch mit Gesellschaftskritik. Nicht immer, gesteht Gerstenberg ein, bohrt PeterLicht dabei die allerdicksten Bretter, auf einen weiteren Text, der hinter der rheinischen Karnevalsseligkeit eine untergründige Düsternis ausmacht, hätte er etwa verzichten können. Wie überhaupt das Buch, findet der Rezensent, etwas besser gewesen wäre, wenn ein paar Texte weggefallen wären. Freilich wiegen diese Kritikpunkte insgesamt nicht so schwer, findet Ralph Gerstenberg angesichts vieler Texte, die mit schönem, melancholischem Humor auf unsere Gegenwart blicken.
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